Kunst ist Kommunikation. Dazu gehören in Arnsberg alljährlich zehn Tage lang Open-Air-Aktionen, Lichtspiele, Konzerte. Die Stadt wird dafür zwischen Klosterbezirk und Glockenturm, zwischen Neumarkt und Sauerland-Theater zur Bühne mit ungewohnten Klängen und außergewöhnlichen Einblicken. Alljährlich in der letzten Woche der Sommerferien wird der Sitz des gleichnamigen Regierungsbezirks mit dem „Kunstsommer“ zum kreativen Zentrum Westfalens. In mehr als 40 Workshops unterrichten unter dem Motto „Bei den Besten lernen“ auch weltweit bekannte Dozenten.
Der Kunstsommer 2012 steht unter dem Motto: Kommunikation. Im Vordergrund soll das gemeinsame Erleben und Schaffen von Kunst stehen. Das ist auch eine historisch bedeutsame Entwicklung, gehörte doch der Umgang mit den schönen Künsten nie zum Erlebnishorizont der einfachen Bürger. Inzwischen existiert der Gegensatz zwischen Kunst und Gesellschaft in seiner alten Form nicht mehr. Die Kunst ist zu einem eigenständigen sozialen System geworden, anerkannt ist sie in Zeiten knapper Kassen deshalb noch lange nicht. Dennoch kann man im Arnsberger Kunstverein zumindest ihre Ursprünge und ihre Wirkungsweisen erkennen. Von Anbeginn an, siehe die einschlägige Höhlenmalerei weltweit, hat sich die Geschichte der Kunst aus dem Abstraktionsvermögen Einzelner entwickelt. Die Ausstellung „Public Abstraction, Private Construction IV und V“ untersucht im Kunstverein das gedankliche Verfahren von Abstraktion am Beispiel von Projekten in öffentlich erfahrbaren Situationen. Von Marco Bruzzone & Patrick Tuttofuoco über Santiago Sierra bis zum Altmeister der Aktionskunst Timm Ulrichs reicht die Palette der 15 Künstler, die sich dort mit der Situation des öffentlichen Raums auseinandersetzen. Die Kuratoren und Künstler sind dabei nicht so sehr an formalistischen Entwicklungen oder an Abstraktion als bildnerischem Ergebnis interessiert, sondern vielmehr an dem Weg und Entstehungsprozess des Kunstwerks. Die Wahrnehmung der Arbeiten findet also nicht in der Galerie, sondern eher in den Köpfen der Künstler statt, mit all ihren Ideen und Turbulenzen.
Ganz anders geht es da schon im Märchenwald zu. Schließlich ist 2012 auch das Jahr der Gebrüder Grimm. Auch Märchen erzählen ist Kommunikation im Sinne des Mottos. Tatort ist das Wiesenstück zwischen dem RWE-Gebäude und dem Wohnhaus Förster am Verbindungsweg zwischen dem Ruhrradweg und dem Europaplatz an der Johanneskapelle. Hier soll dann die StabART-Installation stehen, bei der auch Zwerge und andere Waldbewohner zu Zuhörern gemacht werden. Unter dem Laubdach der dort stehenden Rotbuche sind dann zwei Meter hohe Stabreihen entlang der vorgegebenen Rasenkante aufgestellt. Dazwischen werden aus Stäben, Stahl und Drahtgeflecht konstruierte „Bäume“ platziert. Ein ziemlicher Kontrast zum geheimnisvollen „Guerilla Knitting“, über das es noch keine offiziellen Informationen gibt, genauso wenig wie über die kommunikativen Drahtbügel, dem Mitmachprojekt im diesjährigen Kunstsommer.
Kunstsommer Arnsberg I 10. bis 19.8. I Infos: 02931 893 11 20
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