Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17

12.551 Beiträge zu
3.784 Filmen im Forum

„Libya“
Foto: Pol Guillard

Fortschritt ohne Imperialismus

30. Januar 2024

„Libya“ auf PACT Zollverein – Tanz an der Ruhr 02/24

Architektur spielt eine entscheidende Rolle in der Arbeit von Radouan Mriziga. In gleich mehreren Werken befasste sich der in Brüssel lebende und aus Marrekesch stammende Choreograf mit europäischer und islamischer Bauweise. So z.B. im Solostück „55“ (2014), in dem ein Tänzer mit Kreide und Kreppband eine Rosette in mathematischer Präzision auf die Bühne anbringt, oder in der Performance „3600“ (2016), in der die Bühnenakteure mit Steinen eine kreisrunde Form konstruieren. Hier wird bereits klar, dass den 1985 geborenen Sohn eines Maurers nicht nur die Planung von Architektur, sondern auch ihre konkrete Umsetzung interessiert: Die Bewegungen, welche Handwerker vollziehen, haben ebenfalls Eingang in seine Stücke gefunden. 

Nimmt man jetzt noch die Begeisterung für den Hip-Hop hinzu, sind die wesentlichen Elemente erwähnt, die Mriziga in seiner Bühnenästhetik vereint. Diese dürften auch in seiner neuen Performance „Libya“ wichtig werden, die durch Tanz, Rap und Gesang von der Kultur Libyens erzählt und dabei Musikstile aus dem Maghreb wie Ahwach, Tarab und Tuareg einbindet. Auf der Bühne von PACT Zollverein will Mriziga – der bei der Starchoreografin Anne Teresa De Keersmaeker studierte – eine Sicht auf die Geschichte dieses Landes präsentieren, die nicht von Eurozentrismus und Kolonialismus geprägt ist. Damit wendet sich der Marokkaner auch gegen die Tendenz, andere Kulturen durch Stereotype abzuwerten, wenn sie etwa als besonders urtümlich oder gar rückständig gesehen werden.

Mit nordafrikanischer Kultur hat sich Mriziga schon in früheren Werken befasst. Mit „Akal“ (auf Deutsch „Erde“) schloss er 2022 eine Trilogie ab, in der er sich mit Frauenfiguren aus der Mythologie der Imazighen beschäftigte. Lange galten die unter diesem Namen zusammengefassten indigenen Ethnien im westlichen Sprachraum abwertend als „Berber“ (also Barbaren).

Libya | 3.2. 20 Uhr, 4.2. 18 Uhr | PACT Zollverein | 0201 289 47 00

Benjamin Trilling

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

Dune 2

Lesen Sie dazu auch:

Vernetzung und Austausch
Kultur Digital Kongress auf PACT Zollverein – Gesellschaft 10/23

Die Trommel mal ganz vorne
„Schlagzeugmarathon“ in Essen – Improvisierte Musik in NRW 08/23

Einblick in die Imaginationsmaschinerie
„A Day is a Hundred Years“ auf PACT Zollverein – Tanz an der Ruhr 06/23

Ruhrpott als Hiphop-Heimat
Neues Urban Arts Ensemble Ruhr von Pottporus e.V. – Tanz an der Ruhr 06/23

„Orte der Kunst könnten etwas anderes sein“
Stefan Hilterhaus über die Kunstproduktion – Interview 04/23

Das Ende einer Spezies?
„The Very Last Northern White Rhino“ auf PACT Zollverein – Tanz an der Ruhr 02/23

Verflüchtigung der Männlichkeit
„Bisonte“ auf PACT Zollverein – Tanz an der Ruhr 02/23

Indigener Widerstand
„Encantado“ auf PACT Zollverein – Tanz an der Ruhr 08/22

Ausbeutung der Zukunft
„Out of the Blue“ auf Pact Zollverein – Festival 07/22

Von der Kaue zum Kulturtempel
PACT Zollverein feiert 20. Jubiläum – Bühne 05/22

Tanz Performance mit Mensch und Maschine
„Future Fortune“ auf PACT Zollverein

Musik trifft Theater
Tsubasa Hori im Essener Zollverein

Bühne.

Hier erscheint die Aufforderung!