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Markus Oehrn: „Häusliche Gewalt“
Foto: Nurith Wagner-Strauss

Frisches Brot von der freien Szene

29. Mai 2019

Das Impulse Theater Festival – Bühne 06/19

Der rheinische Karneval findet immer wieder Nischen, in denen er auch außerhalb der närrischen Zeit Aufmerksamkeit generiert. Zum ersten Mal wird er in diesem Jahr Teil des NRW Impulse Theater Festivals. Das ist seit fast dreißig Jahren die wichtigste Plattform für das Freie Theater im deutschsprachigen Raum und es wird eröffnet mit dem Showcase „Witness“ im Düsseldorfer tanzhaus nrw. „Bezeugt“ wird dort ein Kulturclash (nicht nur für Westfalen), der aus dem liebevollen Blick der Choreografin Reut Shemesh auf die lokale Tradition des karnevalistischen Gardetanzes entstanden ist. Gemeinsam mit den Tänzerinnen und ihrer Trainerin Ulla Gerling ist eine Choreografie entstanden, in der sich die strenge Form des Gardetanzes tatsächlich für Individualität öffnet. Jährlich zeigt das Festival modellhafte Arbeiten, die nicht innerhalb des klassischen Stadttheater-Apparats produziert wurden und dennoch viele ästhetischen Neuerungen für das deutschsprachige Theater lieferten.

Unter der Leitung von Haiko Pfost wechseln die Programmschwerpunkte Showcase, Akademie und Stadtprojekt zwischen den drei Partnerinstitutionen FFT Düsseldorf, studiobühneköln und Ringlokschuppen Ruhr. In Mülheim findet auch die Diskussion „Kunst unter Druck“ über freies Theater zwischen Rechtsruck, Identitätspolitiken und Selbstverantwortung statt, an dessen Ende ein Manifest der Impulse-Akademie entstehen soll. Dazu passt auch „White Limozeen“ von Philine Rinnert und Johannes Müller in der Botschaft am Worringer Platz, wo eine Sopranistin und eine Schlagzeugerin anhand der Puccini-Oper „Madame Butterfly“ durch die spannungsreiche Geschichte eines Genres zwischen Rassismus und einer Besetzungspraxis führen, die sich nicht für Herkunft und Ethnie der Darsteller*innen interessiert, weil die Darstellungstradition des Musikstücks derart von endlosen Klischees geprägt wird, durch die das Ferne überhaupt erst zum Fremden wird. Auch in Köln ist die Furcht vor dem Fremden ein Thema. Vier Künstlergruppen recherchierten für „Angstraum Köln“ über medial generierte Ängste, die gesellschaftliche Spaltungen vorantreiben. Das Laboratorium analysierte Furcht vor offenen Drogenszenen, Straßensexarbeit, dem Islam und nichtweißen Männern.

Impulse Theater Festival | 13. - 23.6. | div. Orte | www.impulsefestival.de

Peter Ortmann

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