Eine Ausstellung, die viele in ihre Jugend stürzen lässt, manche gar wieder durch ein geistiges Wurmloch in ferne Welten, wo Roboter gegen Cyborgs kämpfen und Terraner gegen Haluter (wer überhaupt weiß, dass die Muskelpakete in M87 herumlungern). Hunderte Quadratmeter reichen für einen ganzen Kosmos im Folkwang in Essen, die Ausstellung, deren Titel „I was a Robot“ (offensichtlich nicht Asimov, sondern von Kraftwerk) schon Kopfschmerzen bereitet, denn der müsste ja dann elektronisch funktioniert haben. Cyborgs ja. Roboter nein. Selbst als Hollywood dafür mehr oder minder geeignete Zwitterwesen in dunklen Höhlen generiert hat, der Roboter als solcher bleibt eine böse Projektionsfläche für Ängste und Visionen und – nur mal so am Rande – der aus falsch generierten Prinzipien Menschen tötende HAL 9000 sei schon wieder eine ganze andere Kategorie, blendet jedenfalls gerade mein Laptop ein und behauptet ich schweife ab.
Mehr als 250 Filmplakate, Zeitschriften, Bücher und Objekte hat das Museum zusammengetragen, vieles hat der Fan selbst zu Hause, ich bestaune meine alten Terra-Hefte („der Junge liest viel zu viel Schund“) jetzt hinter Museumsglas, manches würde ich gerne gleich mitnehmen, insbesondere die Originalausgaben aus den ganz frühen 1950ern. Da war die Science Fiction (genannt „Zukunftsroman“ ohne Science) noch nicht Popkultur, sondern manchmal Subversion. Denken wir an „Der Krieg der Welten“ von H.G. Wells, der eine halbe US-Nation in die Krise stürzte – heute stürzen sich die Jugendlichen gleich als mechanisierte Cyborgs in endlose epische Schlachten, niemand will schließlich jahrelang mit einer 400 Mann starken Besatzung durchs Weltall cruisen, um neue Planeten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Dann doch lieber mit Strahlenpistole gegen Schleimmonster.
All das transportiert die wunderbare Ausstellung zwischen riesigen bunten Plakatwänden von Hollywood-Reißern wie „Terminator“ oder „Avatar“ mit, ohne die kleinen Zeichnungen und Devotionalien der unendlichen Geschichte der Science Fiction zu vergessen. Hoffen wir, dass wir nie auf irgendeinem Planeten sitzen werden, uns vor dem Spiegelschrank betrachten, um dabei ein paar Schrauben nachziehen zu müssen wie auf Mel Hunters Titelbild vom „Magazine of Fantasy & Science Fiction“ im März 1955.
I was a Robot – Science Fiction und Popkultur | bis 15.3. | Museum Folkwang, Essen | 0201 884 50 00
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