Das finanziell üppig ausgestattete Dickschiff der Ruhrtriennale legt in diesem Monat wieder an den entwässerten kommunalen Kanälen an und preist die Hochkultur des hohen Nutzens für hohe Persönlichkeiten im flachen rotgrünen Theatersterbeland. Grund genug sich zuerst eines Genres anzunehmen, das es nicht leicht hat in den Herzen deutscher Kulturinteressierter, das nach dem Ende der historischen Internationalität in Wuppertal im Revier fast nur noch bei PACT Zollverein in Essen zu finden ist, inzwischen auch fester Bestandteil der – Ruhrtriennale.
Den Anfang macht allerdings Ende des Monats der französische Tänzer und Choreograf Boris Charmatz mit „Musée de la danse“ einer Choreografie für 24 Tänzer auf der Halde Haniel in Bottrop. In Essen startet der brasilianische Choreograf Bruno Beltrão mit seinem Hip-Hop-Spektakel. Seine lang erwartete neue Arbeit CRACKzist natürlich eine Deutschlandpremiere. Ohne jede ästhetische Vorgabe bat Beltrão seine Tänzer für dieses Projekt zunächst choreografisches Material aus dem Internet zu sammeln. Ausgehend von diesem „Repertoire der von Menschen kreierten Gesten“ hat er seine neue Arbeit als Tanzstück ohne nationale Verortung, als nomadisches Experiment aus Web-archivierten Bewegungen zwischen Popkultur und Avantgarde entwickelt.
Den Musik- und Theaterbereich der zweiten Triennale, unter der Intendanz von Heiner Goebbels, teilen sich wieder die bekannten Namen der europäischen Metropolentheater, von Altmeister Robert Wilson bis zu dem dauerpräsenten Rimini-Protokoll. Robert Lepage zeigt den zweiten Teil seiner Tetralogie rund um das Kartenspielen.
Spannend dürfte der Abend mit dem FC Bergmann werden, zumindest für die Menschen die ihre Arbeit „300 el x 50 el x 30 el“ noch nicht gesehen haben. Das Kollektiv, einst an der Antwerpener Schauspielschule entstanden, versteht sich als Schnittstelle zwischen bildender Kunst und dem auf Texten basierenden Theater. Dabei sind sie der Kunst viel näher, obwohl das Stück ziemlich narrativ ist: Eine Gemeinschaft in einer Siedlung im Nirgendwo versucht darin nicht die Kontrolle zu verlieren. Es geht um Religion und den einsamen Soldaten.
Den würdigen Auftakt macht in diesem Jahr dasEnsemble musikFabrik in der Jahrhunderthalle, mit einer Hommage an Harry Partsch (1901–1974), der als einer der originellsten amerikanischen Komponisten des 20. Jahrhunderts gilt. „Delusion of the Fury“ ist ein Stück zwischen Traum und Wahn, das alle theatralen Mittel wie Licht, Bewegung, Gesang sowie die außerordentliche Präsenz seiner Instrumente integriert. Das Ensemble musikFabrik hat das gesamte Instrumentarium Partchs erstmalig nachbauen lassen und wird mit Delusion of the Fury als europäische Erstaufführung, inszeniert von Heiner Goebbels, die eigentliche Ruhrtriennale eröffnen.
Ruhrtriennale | 23. August bis 6. Oktober 2013 | Infos: 0221 28 02 10
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