Die Liebesperlen sind wieder da – oder immer noch. Sie kennen sie nicht? Dabei handelt es sich nicht um Lustkugeln oder gar bunte Süßigkeiten. Obwohl bunt sind sie. Und Lust machen sie auch. Die Liebesperlen sind ein singendes Sextett und ein 11-köpfiges spielendes Ensemble. Sie präsentieren ein Potpourrie aus musikalischen Evergreens.
Vom Broadway ins Hilpert Theater Lünen. So wird das Publikum mit einer Videoinstallation begrüßt. In schwarz-weiß. Doch plötzlich: alles farbenfroh. Das Bühnenbild, eine riesige Jukebox, wird befeuert von sechs singenden Schauspielern. So singen und swingen sie sich im ersten Teil durch die Welt der Klassiker. „Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe“, „Nichts is’ so schön wie der Mond von Wanne-Eickel“, „Kalinka“, „Speedy Gonzales“ oder „Junge komm bald wieder“ sorgen durch eingebaute Sketche für gute Unterhaltung beim eher älteren Publikum. Im zweiten Teil der 2-stündigen Show wird Frank Sinatra geswingt, Elvis gerockt und ABBA getanzt. Dirigent Heinrich Huber tauscht den Taktstock gegen ein Mikrofon und taucht in die Welt der großen Chansons. In diesem geschmackvollen Mix aus verschiedenen Medleys ist der Ray Charles’ Klassiker „Unchain my heart“ in Woodstock-Manier dann auch nicht mehr überraschend. Kitsch ist natürlich erwünscht. Für exzellente musikalische Unterstützung sorgen die „Glorreichen Elf“ unter der Leitung von Simone Witt.
Als Rausschmeißer auf dem Theaterfest in Dortmund sind sie 1987 als 4-Mann-Band gestartet. Nur gegangen ist keiner. „Erfinder“ Heinrich Huber als Elvis und Jürgen Uter als Peter Kraus rockten die Bude. Das 20-minütige Programm musste wiederholt und wiederholt werden. Und ab auf den Spielplan. Damals tatsächlich noch als Schlagerrevue. Aber wie sollten sie heißen? Der damalige Intendant des Dortmunder Theaters musste seinen neuen Programmpunkt schließlich irgendwie taufen. „Na gut, dann schreib halt Liebesperlen ins Programm.“ Und jetzt haben sie schon über 700 Vorstellungen auf die Bühne gebracht. Genau weiß man das nicht.
Das Programm wird alle zwei Jahre neu gestaltet, mit Songs aus allen Jahrzehnten, neuen Kostümen und Bühnenbild. Schwerlich vorzustellen, wie sie das aktuelle Programm noch toppen möchten. Als festen Programmpunkt fühlen sich aber alle Schauspieler und Musiker wohl im Hilpert-Theater. Huber, musikalischer Leiter und Regisseur, der diese Musik privat nicht hören würde, freut sich jedenfalls jedes Mal auf die Show und würde die Perlen vermissen, gäbe es sie nicht mehr.
Seit 1991 mit dabei ist auch Christian Tasche. Als Fisherman, im Smoking oder ganz heiß als Elvis, wirbelt er die drei Ladies auf der Bühne herum. Bekannt aus dem Kölner Tatort als Staatsanwalt von Prinz, sieht er sich mehr als Elvis denn als Jurist. Eine musikalische Ausbildung hat der gelernte Schauspieler und studierte Sozial-Pädagoge nicht. „Nach drei kläglichen Versuchen am Piano habe ich es aufgegeben.“ Aber als Liebesperle muss er das nicht. „Wir nehmen die Sache sehr ernst.“, meint Tasche. Und Huber nickt. „Aber uns selbst nicht.“ Augenzwinkern. Hauptsache es macht Spaß. Und das tut es. Auch als Nicht-Schlager-Fan.
Nach einem unterhaltsamen Abend in einem fast ausverkauften Haus und mit einem Lächeln auf dem Gesicht endet diese glitzernd-glimmernde Glamour-Nacht mit Standing Ovations des Publikums. Auf das sie ewig kullern mögen.
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