Es ist schwer, aufgeklärte Männer mit feministischen Provokationen auf die Palme zu bringen. Arbeitende Mütter, kinderlose Frauen, Achselhaare, Hosenbeine, Bier mit den Zähnen öffnen – kann den emanzipierten Mann nicht schocken. Aber an einer Stelle hört der Spaß auf, nämlich bei der – Achtung, Treppenwitz Nr. 1 – Muttersprache. Ja, angesichts von Binnenmajuskeln, Genderdopplungen, * und _ und X-Suffix durchfährt auch mein sprachästhetisches Empfinden ein jäher Schmerz. Meine Forderung in einem lockeren Gespräch, frau könne wie bei der im Wechsel durchgeführten Benennung von Hoch- und Tiefdruckgebieten auch mal ein Jahr lang die weibliche Form für alle Berufsbezeichnungen verwenden, war daher auch ein Scherz. Die Gegenreaktionen waren männlicherseits aber so erfrischend heftig (Treppenwitz Nr. 2: „Vergewaltigung der Sprache“), dass ich mir das Experiment nicht verkneifen kann.
Passend zum Weltfrauentag am 8. März bietet auch unser Monatsthema FRAUENLEBEN sieben Seiten zu Schwerpunkten wie Unternehmerinnen jenseits der Frauenquote, feministische Debatten nach „Köln“ und zu weiblicher Genitalverstümmelung. Hierzu sprachen wir u.a. mit Dr. Cornelia Strunz, die am Berliner DESERT FLOWER CENTER die Folgen dieses Verbrechens medizinisch behandelt.
Emotional aufgeladen ist die Debatte, die schon seit Januar um die Essener „Bürgerwehr“-Initiative tobt. Wir brauchen keine Bürgerwehr, aber eine offene Gesprächskultur, auch mit Bürgerinnen mit absurden Ängsten und Vorurteilen. Darüber sprechen wir auch mit Max Adelmann vom Bündnis „Essen stellt sich quer“, das sich gegen Rechtsextremismus engagiert.
Regisseur BJÖRN GABRIEL sieht die größte Gefahr für unsere Demokratie nicht in Pegida und AfD, sondern in der Passivität der schweigenden Mitte. Wir sprechen mit ihm aber nicht nur über Politik, sondern auch über seine Inszenierung von „Leonce und Lena“, die am 9.4. Premiere am Schlosstheater Moers feiern wird. Am Theater Oberhausen hingegen lässt Lena Kitsopoulou Ibsens HEDDA GABLER wüten – als Sirene, die Männer anlockt, um sie zu töten.
Im Osthaus Museum Hagen sind Bronze-Editionen der Bildhauerin STEPHAN BALKENHOL zu sehen, bekannt geworden durch großformatige Holzskulpturen. Im Schaufenster des Dortmunder OSTWALL MUSEUMS dokumentiert die schon 2013 entstandene, aber aktueller denn je wirkende Serie „Status“ von Fotografin Andreas Langfeld Flüchtlinge ohne legalen Aufenthaltsstatus in Deutschland.
Unser auf wahren Begebenheiten basierender Film des Monats EL CLAN erzählt vom Doppelleben einer verbrecherischen, argentinischen Familie und wird von Regisseurin Pablo Trapero filmsprachlich mit starken Kontrasten umgesetzt.
Außerdem sprechen wir mit HANS STEINBICHLER über seine Annäherung an den Mythos Anne Frank und die Neuverfilmung ihres Tagebuchs, während ROSALIE THOMASS verrät, wie es war, mit Doris Dörrie in der Strahlenschutzzone „Grüße aus Fukushima“ zu drehen.
Klingt seltsam? Sprache ist performativ und es schadet nicht, sich nicht nur den Inhalt, sondern auch die Form des Gesagten ab und an bewusst vor Augen zu führen.
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