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Radio Shaman
Foto: Marcus Coates, London

Geister in einer urbanen Welt

25. Januar 2022

Ausstellung im Schloss Moyland – Kunstwandel 02/22

Das Beuys-Jubeljahr ist vergangen und doch hallt die Präsenz des Fluxus-Meisters (1921-1986) weiter nach. In Bedburg-Hau im Museum Schloss Moyland ist dies besonders spürbar, denn hier lagert das Joseph Beuys Archiv. In Wechselausstellungen wird der zeitgenössischen Wirkung des Werkes Beuys’ hier Raum gegeben. Das ist nach der Ausstellung „Joseph Beuys und die Schamanen“ nicht anders. Unmittelbar danach werden unterschiedliche aktuelle Positionen heutiger Künstlerinnen und Künstler gezeigt, die Impulsen schamanischen Denkens und Handelns in ihrem Schaffen nachgehen. „Schamanismen in der zeitgenössischen Kunst“ heißt der Parcours im Museum, der sechs ost-westliche Positionen der spirituellen Kunst miteinander verbindet.

Im ersten Raum ist eine Objektinstallation aus Fischlederfiguren von Anatol Donkan zu sehen. Er gehört zur sibirischen Ethnie der Nanai, die am Fluss Amur vom Fischfang lebt. Donkan beschäftigt sich auch wissenschaftlich mit dem Schamanismus. 20 „Götter“-Figuren treiben da auf schwarzen Eisschollen durch den Raum – der in Bayern lebende Künstler hat sie dafür mit Fett gefüttert.

Der zweite Raum gehört dem Briten Marcus Coates – mit zwei ungewöhnlichen Videos. 2006 erregte der Performer und Ornithologe in Norwegen mit seiner Ritual-Aktion „Radio Shaman“ internationale Aufmerksamkeit. Was würden Sie sagen, wenn Sie abends an einer Straßenecke einem Hirsch mit zwei toten Hasen in der Hand begegneten?

Unen Enkh aus der Mongolei baut seine assoziativen Ritualobjekte aus Filz, Draht und Pferdehaar. Der Betrachter versucht die filigranen Formen zu deuten, während die Stille im Raum deren Präsenz enorm verstärkt. Die Niederländerin Melanie Bonajo sieht den Schamanismus aus einer feministischen Perspektive und untersucht in Form von Videos (Matrix Botanica, 22:25, 2013) die Wechselwirkungen von Mensch und Umwelt mit zeitgenössischen Mensch-, Pflanzen-, und Tier-Ritualen. Eine tote Schnake war 2005 der leblose Funke für Lili Fischers Werkreihe über die zu den Mücken gehörenden Insekten, die auch als Geister in schamanistischen Praktiken fungieren. Bei Igor Sacharow-Ross’ Raum-Collage hämmert es dauerhaft, während Vögel schreien. Der aus Sibirien stammende Künstler gilt als einer der Pioniere der interdisziplinären Kunst zwischen Mythen und Wissenschaft.

Schamanismen in der zeitgenössischen Kunst | bis 28.2. | Museum Schloss Moyland | 02824 951 00

Peter Ortmann

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