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Detlef Orlopp, 4.9.1966 und 22.9.2003, jeweils Bomsilbergelatine, © D. Orlopp

Orte in der Natur

26. Februar 2015

Detlef Orlopp in Essen – RuhrKunst 03/15

Eigentlich kein Wunder, dass Detlef Orlopp mit seiner Fotografie über viele Jahre vergessen war. Seine Aufnahmen sind still und reduziert, reine Struktur, moderat im Format und ausschließlich in schwarz-weiß. Orlopp wurde 1937 in Westpreußen geboren, nach einer Fotografen-Ausbildung in Siegen und Köln hat er bei Otto Steinert und Kilian Breier in Saarbrücken studiert und später selbst, von 1973 bis 2000, an der Fachhochschule Niederrhein in Krefeld unterrichtet; heute lebt er in St. Goar am Rhein. Die Ausstellung im Museum Folkwang Essen ist also eine Wiederentdeckung. Sie setzt mit den frühen Saarbrücker Fotografien ein: den atmosphärisch dichten Aufnahmen von Jazz-Konzerten und Porträts von kulturellen Protagonisten. Die Radikalität, die sich in den Schwarzanteilen findet, steigert er in den (anonymen) Büsten, welche die perfekte Konzentriertheit einfangen.

 

Bereits bei diesen Porträts geht es um Zeitlosigkeit in der Kontemplation und um ein minutiöses Abtasten der Oberfläche. Dies kennzeichnet dann auch seine Aufnahmen von Gebirgs- und Landschaftsformationen und Seestücken, die, zumeist ohne Ortsangabe, im moderaten quadratischen Format aus der Nähe erfasst sind. Orlopp verdeutlicht Morphologien und Erdverschiebungen, die noch für die Phänomene der Natur sensibilisieren. Bei den Wasseroberflächen ist jede Schwingung und jede Reflexion von Licht gebannt. Natürlich geht es bei solchen Aufnahmen um Schönheit und um Demut und darum, für die Bedeutung der Gesteine und des Wassers beim Überleben des Planeten zu sensibilisieren. Mithin lassen sich diese Werke aber auch als sinnlicher Umgang mit Texturen lesen, in ihrer immensen Präzision wirken etliche Blätter wie feinste graphische Notationen. Dazu entfaltet Orlopp ein immenses Spektrum an Gradationen und Schattierungen vom hellsten Licht zum größten Dunkel, und das alles mit den Mitteln der analogen Fotografie bei diffusem natürlichem Licht. Trotz der Überfülle an Fotografien: Selten ist eine Ausstellung so ruhig, konzentriert und im Expressiven introvertiert.

„Detlef Orlopp. Nur die Nähe – auch die Ferne“ | bis 19.4. | Museum Folkwang in Essen | 0201 884 50 00

THOMAS HIRSCH

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