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Die Frau von Heute, 2019 Metallgerüst, Digitaldruck, © Marge Monko
Foto: Jens Nober

Luxus ist nie Befreiung

05. April 2019

Marge Monko im Essener Folkwang-Museum – Kunstwandel 04/19

„Frauen der Welt, erhebt Eure rechte Hand!“ (WoW (Women of the World), Video, 2018) – Und? Wie und? Ja nichts. Wie nichts? Ja, nichts an einem Finger rechts? Kein Bling-Bling, kein „diamonds are forever“? Wer jetzt Shirley Bassey im Ohr hat, liegt nur bedingt richtig. Keine Suffragette, sondern die neoliberale, neokoloniale Kampagne des Diamantenhändlers De Beers schuf diesen perfiden Slogan, um Anfang des neuen Jahrtausends selbstbestimmte Frauen zum Edelsteinkauf zu verführen. Mir fallen dummerweise die alten Devo mit „Well the left hand's diddling / While the right hand goes to work“ (1978) ein – ich bin also immun und trete ein in die Welt der estnischen Künstlerin Marge Monko im Essener Folkwang-Museum, die dort diese glitzernde Geschäftsidee der Luxemburger Kohlenstoffhändler als strahlende Neonschrift an die Wand gehängt und so daraus ein feministisches Statement und einen Teil der Ausstellung „Diamonds Against Stones“ gemacht hat.

Das Selbstportrait am Anfang („I Don’t Eat Flowers“, C-Print, 2009) macht bereits die Zielrichtung klar: Hier werden dubiose Geschlechterrollen analysiert und es ist auch die Re-Inszenierung eines Plakatentwurf des US-Amerikaners Howard Miller, der mit dem World War II-Arbeiterfrauen-Slogan „We Can Do It!“ Stimmung generieren wollte und heute auch ein wenig an sozialistische Bildwelten erinnert, mit denen Monko nun mal aufgewachsen ist. „Die Frau von Heute“ (2019, Metallgerüst, Digitaldruck) bewirbt die Künstlerin auf 57 Quadratmetern ironisch geschickt auf einer stilisierten Plakatwand outside am Berliner Platz – nicht wenige werden das nur als Werbeplakat für Bling-Bling wahrnehmen. Die erste Museumsausstellung für die Estin hat also ungeahnte Dimensionen, die sich nicht nur geografisch ausdehnen, sondern dezidiert Frauenbilder in den Köpfen und auch emanzipatorische Gegenangriffe dokumentieren. Für die stehen ihre inszenierten Schaufenster in der Ausstellung und die zweidimensionalen Foto-Serien, die wie bei „8 Hours“ (2013, 8 s/w Fotocollagen) auch schon mal historische Fotos aus den estnischen Fotoarchiven okkupieren und mit den Fabrikarbeiterinnen bis heute für gleichen Lohn bei gleicher Arbeit für Frauen kämpfen müssen. Mit Diamanten hatten die in den 1930ern nichts am Hut, De Beers war da schon längst Edelstein-Monopolist.

Marge Monko: Diamonds Against Stones | bis 5.5. | Museum Folkwang | 0201 884 50 00

PETER ORTMANN

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