Irgendwie bleibt das Ruhrgebiet ewiges Strukturwandelland. Da helfen keine Kulturhauptstädte, da hilft kein Flächenentwicklungskonzept fürs Bochumer Opel-Areal. Die Region braucht Arbeit. Künstler brauchen eher Euros. Arbeit haben die nämlich genug. Jede Kommune in der Region versucht etwas für sie zu tun. Hier wachsen gerne Kreativquartiere, deren Mieten eher das Kulturbüro mit Fördergeldern bezahlen muss, dort neue Atelierhäuser, die wohl billiger sind. Es gab Zeiten, da hat man in Bochum sogar versucht, eine neue Kunstmesse zu etablieren, doch große Formate sind im Revier alle gescheitert.
In Essen setzt man seit Jahren neben der kunstvollen Bespielung von Leerständen (die gibt es übrigens in vielen Kommunen zwischen Dortmund und Marl und es gibt auch ihre kunstvolle Nutzung dort) auf eine Art Kontakthof zwischen Besucher und Künstler, am liebsten natürlich Sammler und Künstler, aber soweit sind sie wohl noch nicht aufmerksam genug. Deshalb: Zum fünften Geburtstag bekommt der Essener ART WALK eine neue Optik, die Sprache wird gepeppt, irgendwie klingt alles neudeutsch: urbaner. In einem Leerstand der Innenstadt ist der „Pop-Up Markt“ aufgebaut, hier zeigen Macher live, wie sie machen und was man damit im Berufsleben anfangen kann. Also hin in die kostenlosen, kreativen Workshops. Ein weiteres neues Format sind die „Kulturhäppchen“, bei denen die örtliche Gastronomie sich sehr schick mit Kunst und Kultur zusammenmengt. Musiker, Performer oder Literaten (tatsächlich, die gibt’s auch!) kriegen drinnen eine kleine Bühne, auf der sie großes vollbringen können.
Auch der neue Art Walk ist eine Veranstaltung des städtischen Kulturbüros, auch er schafft weiche Standortvorteile. Dennoch haben sich die Künstler das im Kulturhauptstadtjahr erkämpft, als sie unter dem Motto „Raum für Kunst!“ das DGB-Haus in der Essener Nordstadt besetzten. Aber das Kreativquartier City Nord.Essen hat auch etwas davon. Es steigt langsam, aber stetig die Attraktivität, die Vielfalt, und zeigt Visionen für urbanes Miteinander auf, von dem Bürger, Politiker und Investoren profitieren könnten.
5. ART WALK | Sa 5.11. 12-21 Uhr | Kreativquartier Essen City.Nord | www.kq-essen.de
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Der Kunst auf der Spur
Spontanes Entdecken auf dem Art Walk Essen – Kunst 09/17
Auf künstlerischen Pfaden
„Kunstspur“ und „Art Walk“ in Essen – das Besondere 09/17
Vom Kulturbiotop zum Szeneviertel
Die Off-Kulturen in den Ruhr-Städten zaubern in alte Stadtviertel neues Leben – Thema 11/12 NEUE URBANITÄT
Gelungenes Experiment
Essener Art Walk belebt den Norden der Innenstadt
Subtil belichtet
Johanna von Monkiewitsch im Essener Kunstverein Ruhr – Ruhrkunst 04/26
„Klick!“, sagte die Kamera
Fotobücher für Kinder im Essener Museum Folkwang – Ruhrkunst 04/26
„Sie pendelte zwischen den Extremen“
Kuratorin Christine Vogt über die Ausstellung „Anja Niedringhaus“ in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen – Sammlung 04/26
Bilder, die aus der Fläche wachsen
Gerhard Hoehme im Museum Küppersmühle in Duisburg – kunst & gut 04/26
Pop, provokant
„German Pop Art“ in Oberhausen – Ruhrkunst 03/26
Lebenswerk in Farbe
Rupprecht Geiger in Hagen – Ruhrkunst 03/26
Wort zu Bild
Natalie Czech im Kunstmuseum Mülheim – kunst & gut 03/26
„Technologie radikal anders denken“
Direktorin Inke Arns über „Robotron“ im HMKV im Dortmunder U – Sammlung 03/26
Geschmacksachen
„Mahlzeit!“ im LWL-Museum in Herne – Ruhrkunst 02/26
Ästhetische Verwandtschaften
„Affinities“ in der Kunsthalle Recklinghausen – Ruhrkunst 02/26
Fotografie in bewegten Zeiten
Germaine Krull im Museum Folkwang in Essen – kunst & gut 02/26
„Sie wollten Kunst für alle machen“
Kuratorin Sarah Hülsewig über „German Pop Art“ in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen – Sammlung 02/26
„Die Guerrilla Girls sind mit der Zeit gegangen“
Kuratorin Nicole Grothe über die Ausstellung der Guerilla Girls im Dortmunder Museum Ostwall – Sammlung 01/26
Tanzende Gitter
Susan Hefuna im Duisburger Museum Küppersmühle – Ruhrkunst 01/26
Klappe auf, Klappe zu
Rolf Glasmeier im Kunstmuseum Gelsenkirchen – Ruhrkunst 01/26
Geheime Erzählungen alltäglicher Gegenstände
Vera Lossau im Märkischen Museum Witten – kunst & gut 01/26
Die Abstraktion der Künstlerinnen
„InformElle“ im Emil Schumacher Museum Hagen – kunst & gut 12/25
Rund ums Staubhaus
„How we met“ im Kunstmuseum Bochum – Ruhrkunst 12/25
Raumschmuck aus Türmen
Mariana Castillo Deball im Dortmunder Kunstverein – Ruhrkunst 12/25
„Konventionen über Bord werfen“
Co-Kuratorin Kerstin Meincke über „Germaine Krull: Chien Fou“ im Essener Museum Folkwang – Sammlung 12/25
Gespiegelte Erdgeschichte
Robert Smithson in Bottrop – Ruhrkunst 11/25