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„Träum weiter“
Foto: Diana Küster

Im Koma der Orientierung

29. März 2018

„Träum weiter“ in Bochum – Theater Ruhr 04/18

Die junge Frau Nil (Almila Bagriacik) sitzt fest und sie hat den Kontakt zur Außenwelt verloren. Selbst die Zeit ist weg, die Uhr hat keine Zeiger mehr.Die Bühne in den Bochumer Kammerspielen ist wie eine Matrix der Maschinenwelt, nur dass statt zahlreicher Programme ehemalige Lebensentwürfe der jungen Frau die Szenerie bevölkern, eins ist klar, der Trainman und sein Zug wird nicht kommen.

Wenn sich die Bühne dreht, zeigen sich zahlreiche Symptome. Die getrennt lebenden Eltern, sie mit türkischen, er mit griechischen Wurzeln, streiten sich über dem Krankenbett über Gott und die Welt, über Alter, Sex und Nationalismus, über Kindererziehung und das Wesen des Friseurberufs. Im Bett der Tochter liegt ein Cello, ein schönes Bild, doch die ist keine Musikerin, sondern bildende Künstlerin, lesbisch, wie Vater und Mutter von der etwas aufgesetzt wirkenden Transgender-Chefärztin (Dennis Herrmann) zu weiterem Unheil erfahren. Schnell werden selbst Akkupunkturnadeln zur Nationalismus-Waffe.



Das Stück „Träum weiter“ der Dortmunder Autorin Nesrin Șamdereli bleibt eine fluffige Boulevard-Komödie, mehr aber auch nicht. In dem Festival von Beiläufigkeiten hat Regisseurin Selen Kara mit dem Bühnenbild von Lydia Merkel eine verträumte Lösung gefunden, die fehlende innere Substanz zu überspielen. Reden als Akt der Befreiung, das Suchen nach Ursachen und Fehleinschätzungen, all das kulminiert in der Zeitlosigkeit der Zwischenwelt von Leben und Tod. Homosexualität und weitere Orientierungen machen die Oberflächlichkeit der Geschichte nicht besser, nur glatter. Klar, Fidan (Sabine Osthoff) und Yannis (Henrik Schubert) sind am Krankenbett wieder vereint, dazu kommt die Exfreundin Nora (Anne Eigner), die auch noch das Flüchtlingsproblem implementiert. Alles zusammen ist ein bisschen viel für den Abend und die sich immer noch drehende Welt jenseits der Schneidesucht von Friseusen. Doch diese Berufsgruppe geht den entscheidenden Schritt. Die Mutter macht sich auf den Weg, ihre Tochter zurückzuholen. Es siegt die Liebe, trotz aller Orientierungs-Widrigkeiten Und wir düsen, düsen, düsen im Sauseschritt.

„Träum weiter“ | R: Selen Kara | 14.4., 21.4., 19.5. 19.30 Uhr | Schauspielhaus Bochum | www.schauspielhausbochum.de

PETER ORTMANN

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