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Simone C. Niquille, „The Fragility of Life“, 2017
Foto: Hannes Woidich

HAL 9000 ist eigentlich weiblich

31. Januar 2019

Wilde „Computer Grrrls“ im Dortmunder HMKV – Kunstwandel 02/19

Die Luft ist raus. Kritio Theys, der aufblasbare Avatar von Simone C. Niquille, liegt platt wie eine Flunder in der dritten Etage des Dortmunder U. „The fragility of life“, so der Titel der mächtigen Arbeit der Schweizerin – wie könnte man ihn schöner assoziieren. Die Künstlerin arbeitet mit 3D-Charaktermodelling-Programmen, die Anfang des Jahrtausends von der U.S. Air Force entwickelt wurden.

Nicht weit davon entfernt hat ein Chatbot Probleme, findet sein Twitterbild scheiße und kämpft auch mit diversen Datenbanken. 2016 wurde Tay bei Twitter ins Netz entlassen und sollte das Kommunizieren lernen, doch böse Trolls machten aus der jungen Amerikanerin ein sexistisches, rassistisches und homophobes Monster. Microsoft schaltete ab, Donald Trump wurde Präsi, ein Schelm, der Böses dabei denkt. Männliche Weißbrote regieren eben die Welt.

Die Ausstellung „Computer Grrrls“ des Hartware MedienKunstVereins (HMKV) versammelt rund 20 internationale künstlerische Positionen. Die Ausstellung versucht die komplexe Beziehung zwischen Frauen und Technologie wieder in die Waage zu bringen, denn die ersten Computer, die ersten Algorithmen stammen von Frauen, denken wir nur an Ada Lovelace Mitte des 19. Jahrhunderts. Von da war es ein weiter Weg zum aktuellen Revival techno-feministischer Bewegungen und Donna Haraways „Cyborg-Manifest“. Aber Inke Arns und ihr Team schaufeln den Pfad immer weiter frei.

Erstaunlich viele Darkrooms finden sich in der Ausstellung, sie dienen Videos, die eine maximale Aufmerksamkeit benötigen und sie trennen die Soundspuren von den Installationen mitten in den Räumen, wo das Schlafende gerade erwacht und sich Kritio Theys so richtig aufbläst. Auch das stört ab und an die Konzentration auf andere Arbeiten. Mitschreiben könnte man bei „Housewives making drugs“, das zeigt, wie man easy das weibliche Hormon Östrogen braut und so der Pharmaindustrie ein Schnippchen schlägt. Biohacking nennt man das und soll laut Mary Maggic Transgender zu radikaler Körperautonomie verhelfen. Ich verziehe mich lieber unter die VR-Brille von Hyphen-Labs und lasse mir das Neurospekulative Afrofeminismus-Projekt erklären. Nicht entgehen lassen!

Computer Grrrls | bis 24.2. | HMKV im Dortmunder U | Eintritt frei | www.hmkv.de

PETER ORTMANN

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