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Morehshin Allahyari, „She Who Sees the Unknown: Kabous, The Right Witness and The Left Witness”, Still image from VR video, commissioned by The Shed, 2019
Courtesy the artist

Transformation der Moderne

15. Dezember 2021

„Technoschamanismus“ im Dortmunder U – Kunstwandel 12/21

Die riesige Papierskulptur „Transformella“ von J.P. Raether ist der logistische Ausgangs- und Mittelpunkt der Ausstellung „Technoschamanismus“ im Dortmunder Hartware MedienKunstVerein (HMKV) – und in Gedanken wird der Besucher immer wieder zu ihr und ihren weiteren hysterisch-subversiven Drag-Charakteren zurückkehren. Zu monströs ist das theoretische Gebilde hinter den mit Pappmaché-Zöpfen und IKEA-Devotionalien ausgestatteten Kleid-Fragmenten und den bereit liegenden VR-Brillen. Gleichzeitig werden die Besucher der Ausstellung Zeugen eines erneuten Forkings (Abspaltung), der Gabelung der Lebenslinien und der Entstehung von Transformella cinis, einer neuen fiktionalen Identität des Künstlers, bei der es um den Kohlenstoffkreislauf als zentralem Bestandteil allen Lebens geht.

Greifbarer sind da schon die Zeichnungen interplanetarischer Weltraumhabitate von Suzanne Treister oder Tabita Rezaires Videoinstallation „Mamelles Ancestrales“( 2019). Im Gegensatz zum aktuellen Wahn, mit metallischen Kapseln wenigstens ein paar Stunden im „Weltraum“ zu verbringen oder Eroberungen diverser Himmelskörper zu erträumen, erforscht Rezaire erst einmal die Versuche unserer Vorfahren, mit den himmlischen Gefilden in Verbindung zu treten. Dafür hat sie vier megalithischen Stätten besucht: die Steinkreise von Sine Ngayene und Wanar im Senegal sowie Wassu und Kerbatch in Gambia. Auch das ist Teil des neuen, technischen Schamanismus, der versucht, Transformation in die westliche Moderne zu tragen.

Entstanden ist er um 2003 im Kontext der Free Software- und DIY-Bewegungen in Brasilien. Auch diese Ausstellung ist Teil des Jubiläumsprogramms „beuys 2021. 100 jahre joseph beuys“ in NRW, zeigt deshalb die Videodokumentation von Beuys‘ Aktion „I like America and America likes Me“ (23. - 25. Mai 1974) in René Blocks Galerie in New York. Das historische Zusammentreffen des Meisters mit einem Coyoten Little John, dem mythischen Totemtier der Ureinwohner Nordamerikas, soll schamanische Dimensionen gehabt haben, der Künstler wedelte mit einem Hirtenstab, der Coyote mit dem Schwanz und urinierte auf Beuys‘ Lagerstätte. Wie das eine Referenz beispielsweise zu Lucile Olympe Hautes „Cyberwitches Ritual“ (Digital photography, 2017) darstellen soll, erschließt sich nicht, soll es aber wohl auch nicht.

Technoschamanismus | bis 6.3.2022 | HMKV Dortmund | 0231 13 73 21 55

Peter Ortmann

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