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Korpys/Löffler, The Nuclear Football, 2004, Videostill, courtesy the artists und Meyer Riegger Berlin/Karlsruhe
© VG BILD-KUNST, Bonn

Geheime Überwachung

26. Juli 2018

Korpys/Löffler im HMKV in Dortmund – Ruhrkunst 08/18

Die filmischen Bilder von Korpys/Löffler kennzeichnet Langsamkeit. Bisweilen sind die Aufnahmen grobkörnig, überstrahlt und unscharf und bei aller Fokussierung irgendwie doch nicht fokussiert. Der Ton scheint abgesaugt, und was zu hören ist, ist Neue Musik. Die fetzenartige Sprache verbündet sich lediglich indirekt mit den Bewegtbildern. Die Szenerien verfügen oft über eine Entleerung, die aber plötzlich mit Energie, unterschwellig auch Dramatik, aufgeladen ist: dann, wenn man erkennt, dass das monströse Flugzeug die Air Force One des amerikanischen Präsidenten auf einem Rollfeld ist oder das flüchtige Streifen über Glasfassaden und Gesichter an der heutigen Szenerie von 9/11 in Manhattan stattfindet. Mit einem Mal stellt sich die Frage der Perspektive und nach den Hierarchien und Regeln, die hier gezeigt werden. In der Abfolge in filmischen Sequenzen mit ihren Schnitten oder in Serien von Fotografien oder Textzitaten ist all das ausgesprochen intensiv, ohne die dokumentarische Aufzeichnung zu vernachlässigen.

Im Rahmen einer Ausstellungstournee zeigt der Hartware MedienKunstVerein nun also eine Werkschau mit Installationen, Filmen und Fotoserien der renommierten, gemeinschaftlich arbeitenden Medienkünstler. Andree Korpys (*1966) und Markus Löffler (*1963), die eine Professur an der Hochschule für Künste in Bremen innehaben, wenden sich primär den Mechanismen und Instrumenten staatlicher Macht zu, die selbst im Verborgenen bleiben. Sie beobachten die Beobachtung und thematisieren die Kontrolle mittels Überwachungskameras und Sicherheitsbeamten und die ritualisierten Abläufe ihrer Anwendung zum Schutz der Träger der Macht, etwa bei Staatsbesuchen und bei Pressekonferenzen. Andere Arbeiten wenden sich direkt den Machtzentralen und einzelnen Akteuren der jüngeren deutschen Geschichte zu und thematisieren so das Verhältnis von Verschwiegenheit und öffentlicher Wahrnehmung. Im (vermeintlich) Unkommentierten vermittelt sich eine Aura, der die Künstler eben auf der Spur sind. Etliche Werke der Ausstellung wirken auf subtile Weise beklemmend – und genau darum geht es ja.

Korpys/Löffler | bis 23.9. | HMKV im Dortmunder U | www.hmkv.de

Thomas Hirsch

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