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TachoTinta: Cultural Drag
Foto: Robin Junicke

Tanz allüberall

18. März 2021

Festival tanz nrw für Ende April geplant – Festival 03/21

Noch ist unklar, ob bald wieder Tanz live im Saal anzusehen sein wird – oder ob es weiterhin bei mal mehr, mal weniger filmischen Streams auf dem Laptop bleibt. Dennoch plant das biennal stattfindende Festival „tanz nrw“ eine 2021er-Version. Vom 28. April bis zum 9. Mai werden bei dem städteübergreifenden Festival für zeitgenössischen Tanz über 40 Aufführungen auf den Weichboden gebracht. Neun Städte aus unserem Bundesland nehmen mit verschiedenen Bühnen teil, sodass sowohl Darsteller als auch Publikum in zwei Wochen viel reisen und entdecken können.

Noch sind die Organisatoren der Veranstaltergemeinschaft Tanzbiennale „flexibel, biegsam und geschmeidig“ in der Planung, auch hybride Formen aus Stream und Livebühne sind denkbar. Alle Teilnehmenden stellten sich am Dienstag in einem aus privat aufgezeichneten Aufnahmen bestehenden Filmchen vor: Dabei sind auch Kölner Ensembles wie Mouvoir/ Stephanie Thiersch und das Overhead Project. Auf der Website von „tanz nrw 21“ kann man durch das umfangreiche Programm und die Termine stöbern.

Versuch einer Sinnes-Überforderung

­­Das aktuelle Stück der Zirkus/Tanz-Schnittstelle Overhead Project, das zuletzt als Work-in-Progress gezeigt wurde, erlebt nun auf dem Festival seine Premiere. In „Circular Vertigo“ geht Mijim Kim eine tänzerische Beziehung zu einem Turnbock ein, der als massives Gerät von der Decke hängt und das Zentrum einer Manege bildet.


Mouvoir/Stephanie Thiersch mit „Bilderschlachten / Batailles d’Images“
Foto: La-Frech-Focale

Unter der Leitung von Choreografin Stephanie Thiersch entstand das Stück „Bilderschlachten / Batailles d’Images“, das in Zusammenarbeit mit Mitgliedern des Gürzenich-Orchesters und dem Asasello Quartett für eine akustische und optische Überfrachtung sorgen soll. Die bunte Inszenierung wird in Köln gezeigt – also auch ohne Reise besuchbar, falls die Theater bis dahin tatsächlich wieder geöffnet haben sollten.

Wie Tick und Trick (ohne Track) reden die Künstler Simon Hartmann und Daniel Ernesto Mueller im Wechsel, um ihr Projekt Hartmannmueller vorzustellen. Mittels superkalifragilistischen Wörtern umschreiben sie ihre Versuchsanordnung, sich der Schöpfung selbst zu widmen. Dabei wird aufgebaut, experimentiert und wieder eingerissen. Das Duo hat sich den Festivalauftakt in Viersen gesichert.


Hartmannmueller: „Die ultimativ positive, performativ installative, relativ alternative Schöpfung“
Foto: Dirk Rose

Zeitgenössischer Tanz und Technik

Beim letzten Mal, als das Festival im Jahr 2019 stattfand, beschäftigte sich die Welt noch mit gänzlich anderen Themen. Das El Cuco Projekt widmet sich mit „Just Before Falling“ der übergreifenden Thematik des Fallens – das trotz gleichem Ablauf doch immer unterschiedliche Ergebnisse erzielt. Alltagsroutinen werden so von den mit gruselig-realistischen Tierköpfen bekleideten Performern hinterfragt.

In den kleinen Filmen, in denen sich die Teilnehmer präsentieren, stehen immer noch einige wie zum Foto aufgestellt und mit schlechtem Ton vor einer weißen Wand. Da kommen so manche Cringe-Momente zusammen, wenn nicht sogar „Boomercringe“. Bleibt zu hoffen, dass die Umsetzung im Stream, die sehr wahrscheinlich erfolgen wird, zeitgenössischere Techniken erfährt.


Das El Cuco Projekt mit „Just Before Falling“, Foto: Julia Franken

Förderung von Neuem und Ungewöhnlichem

Etwas Neues gibt es unter anderem auch in Wuppertal zu sehen: Im zukünftigen, derzeit in Entstehung befindlichen Pina Bausch Zentrum findet eine Kooperation des gefeierten Ensembles mit einem Projekt von Ben J. Riepe statt. „Creature“ soll eine Liveperformance, Videokunst und ein veränderliches Ritual vereinen. Jeder Zuschauer soll dabei einzeln durch diese Performance geführt werden und ein individuelles Erlebnis erzeugen.

Auch eine Drag Show ist Teil des Festivalprogramms. Durch eine Auseinandersetzung mit kulturellen Identitäten werden im Stück „Cultural Drag“ der Gruppe TachoTinta Vorurteile bloßgestellt. Dabei sollen humorvoll Methoden entwickelt werden, wie sich das Individuum selbst gegen solche Einordnungen stärken kann.

In diesem Jahr haben zwei Tanzgruppen ein Stipendium des Projekts „Sprungbrett <> Tanzrecherche“ bekommen, das eine Kooperation des Tanzfestivals mit dem NRW Kultursekretariat ist. Das Urban Dance Frauenkollektiv und die Folkwangabsolventen Igor Meneses Sousa und Paula Pau dürfen im Rahmen des Festivals den Fortschritt ihrer finanzierten Tanzrecherchen präsentieren.

Weitere Gruppen, Stücke und Termine sind auf der Festivalwebsite zu finden, auf der auch tagesaktuell über die Entwicklung Live oder Stream informiert wird. Der Vorverkauf soll im April starten und über die jeweiligen Spielstätten direkt abgewickelt werden. Die Städte Köln, Bonn, Düsseldorf, Wuppertal, Viersen, Münster, Essen, Krefeld und Mülheim nehmen teil.

tanz nrw 21 | 28.4.-9.5. | div. Stätten in NRW | www.tanz-nrw-aktuell.de

Rosanna Großmann

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