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Foto: VolXBühne

Das Kind wird nie gerettet

29. Mai 2019

„Faust I“ an der Mülheimer VolXbühne – Theater Ruhr 06/19

„But deep down inside, I got a Rock'n'Roll Heart“ – Neun Mitglieder (zwischen 52 und 82 Jahren) der Mülheimer VolXbühne hetzen durch die Untiefen deutscher Literatur, durch Johann Wolfgangs „Faust“, der bedeutendsten Tragödie, die der Meister höchstselbst aus einer historischen Sage destillierte. Zentrale Frage: Glaubst du an Gott? Natürlich nicht und so ist der Weg des armen Gretchens mal wieder vorgezeichnet. Jörg Fürst inszeniert in dem kleinen Theater einen von schnöden Dinglichkeiten losgelösten Disput zwischen Doktor und Teufel (Frank Witzel/ Andreas Beutner). Hängt anfangs noch das rote Todeselixier am Faden über der Bühne, bleibt die nach dem absichtlichen Verschütten leer gefegt. Licht, Nebel, Figurenkonstellationen und eine mächtige Soundspur weisen den Weg durch die goetheschen Textmengen, die mal – und das muss auch gewürdigt werden – im wilden Teufelsritt, mal perfekt gesetzt, deklamiert wurden.

Anfangs unterstützt von Glockenschlag und einem Chor, der einzelne Wörter wie im Hip-Hop erhöht, bleiben dann sparsame Gesten, wenig Mimik. Die Sprache selbst wird Höhepunkt im Spiel bis in den verhallten Kerker. Sehr schön ist der Geschlechterwechsel. Faust und Teufel, mal weiblich (Angela Pott/ Helga Tillmann), im urdeutschen Stoffe wär‘s damals nicht ohne Brisanz, heut fast schon zeitgenössisch eingefordert. Das Gretchen (Adelheid Borgmann) leuchtet oft im Hintergrund, bevor sie sich die Bühnenmitte erobert und die schönsten Momente der Inszenierung generiert, die am Schluss des sündigen Parforceritts mit duftig kühlem Schauer schon auf den zweiten Teil verweist: Am farbigen Abglanz haben wir das Leben.

„Faust I“ | R: Jörg Fürst | Sa 1.6. 19.30 Uhr, So 2.6. 16 Uhr | VolXbühne Mülheim | 0208 43 96 29 11

PETER ORTMANN

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