Hagen. Auch ein Tor ins Sauerland. Eine Kommune mit vier Flüssen, aber ohne Perspektive. Selbst die Studenten sehen ihre Universität nur aus der Ferne. Online oder auf altertümlichen Postkarten. Seiner Industrie jedenfalls hat sich die Stadt entledigt. Nicht immer freiwillig, und wer sich jemals mit einem Pkw genähert hat, der wird die einzigartige Verkehrsführung bewundern, die Hagener Architektur in luftiger Höhe beschneidet. Urban Lights Ruhr beleuchtet jetzt diese sich stark wandelnde Stadt. Einen Monat lang wird interveniert, eingegriffen, verwandelt, getestet. Ein Programm zum aktiven Mitgestalten oder Gebrauchen von denUrbanen Künsten Ruhr, der jungen Kunstorganisation der Kulturmetropole Ruhr, die den Stadtraum verändert und Menschen mit neuen Möglichkeiten der Nutzung konfrontieren will.
Der Kontext Stadt soll so der Kunst neue Wege bieten, vielleicht auch gesellschaftliche und ästhetische Veränderungen anzustoßen. Dafür entwickelte beispielsweise Ghana Think Tank, ein Künstlerkollektiv aus den USA, mit Hilfe der sogenannten „Dritten Welt“ die „Erste“. Die Hagener Probleme wurden an diversen Orten in der Stadt gesammelt, dann analysiert und in die verschiedenen Denkfabriken abgegeben und diskutiert. Im Oktober werden die Lösungsvorschläge der Think Tanks über eine Installation, mit Videobotschaften und einer geplanten App präsentiert und so an die Hagener Bevölkerung zurückgegeben. Die Künstler von Ghana Think Tank sind als ein kooperatives Projekt in Hagen präsent, um die „Entwicklungshilfe“ und Problemlösungen vorzustellen. Aber auch die anderen eingeladenen internationalen Künstler verändern das urbane Leben, intervenieren, und das bereits in einerdritten Auflage.
Urban Lights Ruhr verwandelte bereits Bergkamen und Hamm, jetzt wird die ehemalige Folkwang-Stadt zum Testfeld für urbane Kunst. Gleich acht künstlerische Lichtinterventionen greifen in den Stadtraum Hagens ein und ermöglichen so neue Perspektiven auf das eigentlich Vertraute, denn nur langsam kommt das Überbaute wieder zum Vorschein: Der Blick auf den Fluss Volme wird wieder frei, der Zugang zur Ennepe wieder nutzbar, nachdem die anliegenden Fabriken abgebrochen wurden. Schmuckelemente am Hauptbahnhof erscheinen dann in neuem Licht, das Potential eines vernachlässigten Stadtteils soll ernst genommen werden. Das alles liefert natürlich nur Momentaufnahmen, die eigentliche Arbeit muss die Stadt, die einmal eine Vorreiterin der Moderne war, selbst leisten, will sie nicht endgültig im Dornröschenschlaf versinken. Vielleicht hilft dabei ja auch eine mobile Forschungsstation von Simon Faithfull. Hier könnte man in lauschiger Umgebung zwischen Volme und Ruhr auf Spurensuche gehen nach der Blütezeit im Kaiserreich, als reiche Bankiers Architekten wie Henry van de Velde oder Walter Gropius in die Stadt lockten.Vielleicht reicht aber auch der neue Hagener Impuls, denUrban Lights Ruhr zu setzen versucht.
Urban Lights Ruhr | 9. - 25.10. | Festivalzentrum Hagen | www.urbanekuensteruhr.de
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