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Atelier van Lieshout, Workshop for Alcohol and Medicins, Innenansicht, 2015, Installation vor der Jahrhunderthalle Bochum
© Atelier van Lieshout

Dorf vor Halle

27. August 2015

Die Ruhrtriennale mit van Lieshout – RuhrKunst 09/15

Ist das Kunst? Mehrere, architektonisch teils verwegene Gebäude sind auf der Wiese vor der Bochumer Jahrhunderthalle zusammengestellt. Sie erfüllen verschiedene Aufgaben, mit denen sie das Publikum der Ruhrtriennale einbeziehen – ja, sie sind Teil von dieser. Joep van Lieshout (*1963), der mit seinem 1985 gegründeten Atelier von Rotterdam aus agiert, gehört zu den radikalsten Vertretern einer Kunst, die die Sphären von Kunst und Leben verwischt. Er denkt dabei das soziale Umfeld des heutigen Menschen und seiner Gemeinschaft bis ins private Detail durch. Im Zusammenführen von Skulptur, Architektur und Design entstehen begehbare Entwürfe zwischen Segen und Anarchie. Er konzipiert und baut Wohneinheiten, sogar ganze Städte, die wissenschaftlich fundierte Überlegungen der Ökologie, des Sozialverhaltens und des limitierten Lebensraumes skulptural umsetzen und – jedenfalls als Mobiliar – in Serie gehen könnten.

Bereits 2008 stellte Joep van Lieshout im Ruhrgebiet ein derartiges – provokantes – Werk vor: Im Essener Museum Folkwang war der düstere Entwurf einer Stadt der Zukunft zu sehen, bei der sich alles um Gewinnoptimierung durch die Ausnutzung der menschlichen Arbeitskraft dreht und der unnütze Mensch für die Organspende oder als Nahrung eliminiert wird: die „Stadt der Sklaven“. Weniger pessimistisch und martialisch sind nun die Architekturen vor der Jahrhunderthalle Bochum. Aber auch dort liegt eine Ökonomie in der Organisation vor, die auf wesentlichen Prinzipien unserer Gesellschaft unter Berücksichtigung des Genusses beruht. Urinstinkte sind nach außen gekehrt, die Anlage funktioniert in ihrer Gesamtheit wie ein Organismus. „The Good, the Bad and the Ugly“ ist wie ein Dorfkern mit notwendigen Bereichen und dient tatsächlich auch als weitere Spielstätte der Ruhrtriennale. Hingegen ist das Gebäudearrangement weder Dschungelcamp noch Mittelalterfestival. Aber als artifizieller Entwurf wirkt es wie eine interaktive Animation. Nur, sind wir Spielbeobachter oder doch schon Mitspieler? Und wenn wir mitspielen, wer sind wir dann: Die Guten oder die Bösen?

„Atelier van Lieshout. The Good, the Bad and the Ugly“ | bis 26.9. | Jahrhunderthalle Bochum | www.ruhr3.com/G

Thomas Hirsch

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