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„Melancholia“
Foto: Thomas Aurin

Der verbrannte Golfball

26. April 2018

„Melancholia“ in Bochum – Theater Ruhr 05/18

Der Tag nach dem Morgen findet nicht statt. Und wer die Bewohner des sterbenden Planeten mal unter die Lupe nimmt, wird wissen, dass sie es wert waren, zugrunde zu gehen. Da hilft auch keine magische Höhle mehr vor dem Feuersturm. Das Universum ist da irgendwie konsequent. Johanna Wehner passt sich da bei ihrer Inszenierung von „Melancholia“ im Bochumer Schauspielhaus nicht an. Schöne Bilder, schöne Kostüme, schönes Bühnenbild. Alles wert…, nein nicht noch einmal. Der Abend kann dem Film von Lars von Trier nicht das Wasser reichen, es nicht einmal abfüllen und reduziert sich auf den interessanten Versuch wenigstens die merkwürdige Stimmung in dessen Meisterwerk einzufangen. „Auf das Leben“, die schläfrige Monotonie und das ewig dumpfe Grollen aus den Lautsprechern begleiten die unwirkliche Szenerie auf dem 18-Loch-Golfplatz, indessen der verbrannte Planet als hohle Golfball-Metapher bereits zu sehen ist.

Die ersten, die den drohenden Untergang wittern, sind die Pferde – ein Schimmel muss später auch noch live auf die Bühne. Niemand ist wirklich glücklich, nicht einmal bei der Hochzeit, an der die Geschichte beginnt. Es dauert, das Brautpaar verspätet sich, dumme Zoten, kleine Zurechtweisungen, das hat ja auch alles eine Menge gekostet, doch Glück lässt sich nicht kaufen und vom Traumatischen ist keiner weit entfernt. Johanna Wehner lässt ihre Personen auf der Bühne behäbig eilen, nur die manisch depressive Justine (Kristina Peters als Lichtblick) ruht ab und an und versucht zur Umwelt durchzudringen: „Vermisst ihr nicht irgendwas?“ Die Frage hackt immer wieder in die belanglosen Dialoge, während der dunkle Planet Melancholia auf die Erde zurast und die freie Performancetruppe dorisdean als Hochzeitsgäste etwas Bewegung in der Lethargie schafft.

Irgendwann ist der Golfball gefallen, die Angst geht um, das Lieblingsgericht schmeckt längst nach Asche. Doch die Erkenntnis der schlechten Erde, um die es nichts zu trauern gäbe, ist natürlich ein typisch anthropozentrische Resultat, das nicht mehr korrigiert werden kann – schade um den Schimmel in Fauna und Mykologie. 

„Melancholia“ | R: Johanna Wehner | 27.4., 16.5. je 19.30 Uhr, 5.5., 21.5. je 20 Uhr | Schauspielhaus Bochum | 0234 33 33 55 55

PETER ORTMANN

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