Weit entfernt in einer düsteren Zukunft scheint eine mystische Symbiose zu existieren, ein echtes Miteinander von Mensch und Puppe. Nichts scheint da mehr sicher, wer ist der Spieler, wer die Marionette ohne Fäden. Der Puppenspieler ist der brasilianische Tänzer Duda Paiva, der mit seiner Soloperformance „Bastard!“ in diesem Jahr das „Westwind 2015“-Festival in Düsseldorf eröffnet. Das wird gemeinsam vom Düsseldorfer Schauspielhaus / Jungen Schauspielhaus Düsseldorf, dem tanzhaus NRW und dem FFT Düsseldorf ausgerichtet. Wie immer ist es eine Präsentation der zehn herausragendsten Inszenierungen für ein junges Publikum aus NRW, gilt bundesweit aber auch als eines der renommiertesten Theaterfestivals für diese Zuschauergruppe. Ein besonderer Schwerpunkt ist dabei die interessante Gestaltung als Arbeitstreffen und der damit verbundenen Möglichkeit des Austauschs zwischen Theatermachern, Publikum und Kulturpolitikern – und ganz nebenbei gibt es ja auch ein paar tausend Euro zu gewinnen.
Dafür muss man natürlich am Wettbewerb teilnehmen. Wie das die performing group aus Düsseldorf macht. Hier geht es eher tänzerisch um das, was im Leben wirklich zählt. Nach Interviewaufnahmen mit Kindern gehören natürlich die Helden der Musikcharts und der persönliche Pizzageschmack natürlich dazu. Der Titel „Chalk About“ spielt mit dem englischen „to talk about“ und „to chalk“, was so viel wie „mit Kreide anmerken“ heißt. Sie entwickelten so ein mit einfachsten Mitteln in Szene gesetztes Manifest über die Unterschiedlichkeit von Menschen jenseits von Nationalität und Geschlecht.
Drei Akteure des Bonner Theater Marabu erzählen eine ähnliche die Geschichte mit Hilfe von Licht- und Schattenspielen. Das poetische Objekttheater arbeitet auch mit Geräuschen und Musik und das ist wohl auch notwendig: „Heute Morgen hat meine Mutter so geschrien, dass ich auseinandergeflogen bin“, sagt der kleine Pinguin und macht sich auf die Suche nach seinen Einzelteilen. Beschützt von der Schreimutter erleben die Körperteile auf ihrer Reise fantastische Abenteuer. Splatter für Kinder. Kaum zu glauben und doch, dieses Stück „Die Schreimutter“ findet im Rahmen der Reihe Kleine Monster statt.
Vielleicht dann doch lieber Basteln? Das macht doch jeder gerne! Das findet auch ein junger Mann, der sich einfach eine weiße Kugel auf den Kopf setzt und sich anschließend als überzeugter „Leerkopf“ seine Welt zusammenbastelt. Das belgische Kollektiv Tuning People um Wannes Deneer, Jef Van Gestel und Karolien Verlinden arbeitet bei der Live-Sound-Figuren-Performance „Leeghoofd“ mit dem Schauspieler Roel Swanenberg zusammen. So finden sich die Zuschauer mit dem Pinhead an einem fiktiven Ort zwischen zwischen Küche und Werkstatt, wo der sich mal eben mit Stickern, Fußballsocken und anderen Materialien Augen, Ohren, Nase und Mund zusammenknetet.
Im Anschluss an die Stücke im Wettbewerb finden Inszenierungsgespräche statt. Zuschauer, Theatermacher und Experten beschreiben, diskutieren und hinterfragen. Denn da gilt es alljährlich auch noch einen Publikumspreis zu ergattern.
Westwind 2015 | 27.5.-3.6. | tanzhaus NRW, FFT und Schauspielhaus Düsseldorf | www.westwind-festival.de
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