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„Sisyphos!“
Foto: Sandra Schuck

Rotieren auf dem Gipfel

29. März 2018

„Sisyphos!“ am Prinz Regent Theater in Bochum – Theater Ruhr 04/18

Gefangen in immer gleichen Routinen wird Leben leicht zur Manie. Da spielt es keine Rolle, ob der Knast eine zu heiße Sauna oder die perfekte Modelleisenbahn ist, die Probleme bleiben hausgemacht, ein Ausbruch unausweichlich.W as zählt ist „die Performance“, Standardvokabel in Arbeitsmarkt und Kunst gleichermaßen. Das Verhältnis von Theater und Kunst-Performance verwischt gerade das Prinz Theater in Bochum, wo Theaterchefin Romy Schmidt den letzten Countdown bis zum Spielzeitende eingeläutet hat – mit einer ungewöhnlichen Performance über die mythologische Figur Sisyphos, auch einer Analyse über ewige Tätigkeiten in einer sich permanent verändernden Welt. Was bleibt, ist Glück im Absurden, wie vielleicht Albert Camus den Sisyphos deuten wollte, aber auch der Aufruf zur ewigen Revolte. Bleiben wird der endlos rollende Stein, es bleibt die Bühne als Refugium.

In diesem Laboratorium der „angestrandeten Organismen“ inszenieren sich nun drei Performer, zwei sind zu sehen, der rollende Stein (Martin Widyanata) und der kämpfende Mensch (Linus Ebner), zwei Wahnsinnige, die in diesem Stück den holperigen Weg zum Gipfel vergessen machen, und die ordnende Hand (Romy Schmidt) im Dunkel der Bühne. Hier geht es nicht mehr um Camus oder Homer, hier geht es um eine eigenständige Stückentwicklung. Jenseits von absurdem Theater wird der Selbstversuch als Hummer (Homer, Humer, Hummer) ohne Schale zum Spektakulum mächtiger Monologe von Linus Ebner, dazu kommt die eingespielte Monotonie des Rollens, die Martin Widyanata live produziert und auch körperlich haarsträubend zelebriert.

Ganz langsam wird klar, dass niemand mehr weiß, wer in einem Gehege sitzt oder nur ewig von außen zuschauen darf. Der Höhepunkt des Abends ist deshalb genau 5:30 Minuten lang. Da wird Rilkes Gedicht „Der Panther“ zur verbalen Endlosschleife. Doch wie oft gehen diese 12 Zeilen in 330 Minuten, wie oft findet dieser Kampf gegen den Gipfel des Sisyphos ein Ende in der Selbstaufgabe? Wie Martin Widyanata dabei noch den Glückskeks verteidigen kann, ist mir schlicht unbegreiflich. Alle sollten ihren Stein noch einmal herbeirollen, ich zitiere Hilde Knef: „Von nun an ging's bergab.“

„Sisyphos!“ | R: R. Schmidt, L. Ebner, M. Widyanata | 12., 13.6. 19.30 Uhr | Prinz Regent Theater, Bochum | www.prinzregenttheater.de

PETER ORTMANN

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