Es ist heute gar nicht mehr so einfach, Einzigartigkeit zu behaupten. Durch die Vielzahl digitaler Medien kopiert sich jede Neuheit oder Ungewöhnlichkeit fast unmittelbar ins Unendliche. In der Auseinandersetzung mit traditionellen Kriegs- und Widerstandstänzen fragt deshalb auch die ungarische Choreografin Eszter Salamon in ihre neuen Arbeit „Wars & Dances“, wie sich zeitgenössische Praktiken der Choreografie einer immer stärkeren Angleichung choreografischer Imagination widersetzen können. Bestes Beispiel für eine unmittelbare Okkupation von Ritualen ist die inzwischen weltberühmte Klatsch-Choreografie mit dem „Huh“-Schlachtrufder Isländer bei der letzten Fußball-Europameisterschaft. Bereits während des Turniers wurde die Choreografie zwischen Spielern und Zuschauern kopiert, heute ist sie in vielen Arenen übernommen. Typischer Kriegs- und Ritualtanz ist auch derMāori-Haka, der auch seinen Weg von der Einschüchterung als einer Kriegsphilosophie zur erklärtenEinzigartigkeit in den (Rugby-)Sport gefunden hat.
Um diese Ursachen, Umstände und Notwendigkeiten zu untersuchen, lassen sich die Tänzerinnen und Tänzer vonEszter Salamon in „Wars & Dances“ auf ein utopisches Projekt ein und beschäftigen sich, ohne dabei Authentizität zu versprechen mit den Aspekten von Ritualen, die für das Gemeinschaftliche und Prozesse des Teilens stehen. Die Choreografie findet als performativer Akt im Herzstück des Essener SANAA-Gebäudes satt, welches innerhalb des Zechengeländes Zollverein liegt, aber auch in unmittelbarer Nähe vom choreografischen Zentrum PACT, wo auch die ersten beiden Teile von Salamons Monument-Trilogie zu sehen waren. Dieser Uraufführungs-Abend ist als gemeinschaftliche Erfahrung in Zeit und Raum konzipiert, bei dem Besucher und Protagonisten sich auch die Erfahrungen der traditionellen Kriegs- und Widerstandstänze teilen, die natürlich ganz unterschiedliche Erinnerungen und Geschichten, auch die von Choreografien generieren.
„War & Dances“ | Sa 18.2. 15 Uhr | PACT Zollverein, Essen | 0201 81 222 00
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