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„The Dead Inc. – Die Toten GmbH“
Foto: Jakob Studnar

Gieriger Geier auf Stöckeln

23. Februar 2017

„Die Toten GmbH“ im Moerser Schlosstheater – Theater Ruhr 03/17

Es war eine Nacht der untoten Leichenfledderer. Es war die Irrfahrt durch das Labyrinth des Versicherungswesens und auch ein lehrreicher Parcours durch den Heuschrecken-Kapitalismus. Wundern wir uns nicht, der New Yorker Autor Michael Yates Crowley arbeitet tagsüber in einem Hedgefonds und kennt sich aus mit Finanz-Geiern, die sich die Filetstücke aus angeschlagenen Unternehmen herauszupicken. In „The Dead Inc. – Die Toten GmbH“ mischen sich allerdings in das Börsengehabe noch blutige tibetanische Begräbnisriten, was die Sache für uns Westeuropäer ein wenig makaber macht. Ziehen wir doch den klinischen Umgang mit Fleischresten vor und nach dem Ableben vor.

Ulrich Greb (auch die Übersetzung) hat das alles im Moerser Schlosstheater zusammengemischt, in einen Quirl gestopft und lässt darin eine Art Geisterbeschwörung vollziehen, die den ritualisierten Büroalltag der Rentenversicherungsgesellschaft „Lachesis & Partner" wieder auf Vordermann bringen soll, das Vermächtnis der verstorbenen Ehefrau des Chefs erfüllen will und irgendwie auch eine Geiertranse von der Heuschreckenkonkurrenz „CarryOn Partner" abwehren soll. Das alles auf der kleinen Bühne, wo sich vier durchsichtige Kunststoffflächen wie das Fähnlein auf dem Turme drehen, die Büromöbel nur von Pappe sind und der eigensinnige Kaffeeautomat eine nebelige Magie aus 128 Aromen verströmt.

Alles drängt sich auf dem Gipfel der Geschmackslosigkeit, fünf wie immer grandiose Ensemble-Figuren aus dem Alptraum einer Geierwally, ein Gemisch aus Transvestiten-Schick und einer surrealen Nichtwelt. Nur das alte Kassettendeck ist behäbig und spielt das Band zum ewigen choreografischen Gestikulieren mit Wirtschaftsdaten, Schein-Hierarchien und Persönlichkeitsstörungen. Die Flügel des Geiers schleifen dazu über den Bühnenboden. Am Ende ist es eine scheinbare Win-Win-Win-Situation, nur der Brian Mayfield muss dran glauben. Der Ritus verlangt einen toten Körper. Kommen Sie in die Manege, staunen Sie im Panoptikum der wahren Welt und sagen Sie nicht, die sähe aber anders aus und man würde sich da nicht so benehmen. „Fick die Henne“ (Zitat).

„The Dead Inc. – Die Toten GmbH“ | R: Ulrich Greb | Fr 3.3., Do 9.3., Sa 1.4. 19.30 Uhr, S0 5.3. 18 Uhr | Schlosstheater Moers | 02841 883 41 10

PETER ORTMANN

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