
Nouvelle Vague
Frankreich 2025, Laufzeit: 106 Min., FSK 12
Regie: Richard Linklater
Darsteller: Guillaume Marbeck, Zoey Deutch, Aubry Dullin
>> nouvelle-vague-film.de/
Lunettes de soleil au ciné
Matt513 (275), 30.03.2026
Mon dieu, wie am besten setzt man einem cineastischen Denkmal ein cineastisches Denkmal? Noch dazu, wenn es sich um, eben, nouvelle vague handelt und dieser anarchistische, schwebende Stil untrennbarer Teil des Films ist? Dreht man genauso oder versucht man etwas anderes? Regisseur Linklater hat sich für einen zwar beschwingten, dabei jedoch fast dokumentarischen Stil entschieden, was ja Godards ursprüngliche Vision spiegelt, Außer Atem als Dokumentation anzulegen. So ist hier das Entree einer jeden Filmfigur ein akkurates Portrait mit Namen. Das ist auch vonnöten, denn derer treten viele auf (mir davon bekannt höchstens 6 bis 7, puh!), manche bloß flüchtig, weil sie halt irgendwie mit dem Film bzw. der Epoche in Verbindung standen.
Überhaupt der Dreh, also vermutlich war er damals viel weniger heiter und entspannt als hier zu sehen. Das bei solch 'historischen' Filmen unvermeidliche Pathos hat man zum Glück bald vergessen. Denn es gibt große handwerkliche Kunst zu besichtigen. Linklaters Film ist eine Hommage, nicht bloß an Außer Atem, die Nouvelle Vague, sondern ans analoge Kino überhaupt. Dann und wann Ploppen und Rauschen in der Tonspur sowie Überblendungszeichen in den Bildecken, Fusseln, Kratzer - das ganze Programm. Das Casting, die Requisite, das Bühnenbild - Extraklasse. Typen und Gesichter wie aus der Zeitmaschine. Aus dem durchweg authentischen Ensemble ragen Deutch als Seberg und Dullin heraus, dessen Ähnlichkeit mit dem jungen Bébel schon fast gespenstisch anmutet. Eine Show ist Marbeck als Godard, der wie an einer unsichtbaren Schnur gezogen durch den Film schlappt, ein Trüffelschwein auf der Suche nach dem noch nie Dagewesenen. Soviel ist zu bestaunen; man denkt, der Film sei viel länger als bloß 106 Minuten.

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