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Es gibt 223 Beiträge von Matt513

The Favourite – Intrigen und Irrsinn

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Dekadent

21.02.2019

Für die Zustände am englischen Hof des 18. Jahrhunderts hätte sich Lánthimos kein schöneres Bild ausdenken können: Die eigenen Soldaten bluten im Feld gegen Napoléon, während man sich daheim die Langeweile mit Entenrennen und frivolen Orgien vertreibt. Die schrille Scharade überquellender Perücken und bemalter Wangen wird durch häufigen Gebrauch der Froschaugenlinse sowie eines obskuren Klangmusters noch mehr ins Surreale gedreht, wo ich in punkto Klang zunächst einen Defekt am Gebläse der Klimaanlage im Kinofoyer vermutete. Dieser Hof ist ein von der Realität abgedocktes Raumschiff. Diener werden wie lästiges Getier getriezt, dagegen genießen Kaninchen den Status von Ersatzkindern. Die Außenwelt kommt kaum vor; selbst Nachrichten von der Front dringen nur mehr dann und wann wie Wetterleuchten durch.

Auf dieser derart isolierten Bühne führt Lánthimos ein wunderbar vor Mißgunst und Eitelkeit triefendes Ränkespiel auf. Der Vergleich zu Barry Lyndon trägt nur kurz. Jener lebte davon, wie seine Figuren mit sich selbst beschäftigt waren, während man hier zu Hofe fortwährend bestrebt ist, sich gegenseitig auszustechen. Die Eiseskälte, die Stone und Weisz ihre Charaktere mit sparsamen Gesten bisweilen verströmen lassen, nimmt einen gefangen. Dazu spielt Colman mit vollem Körpereinsatz eine halt- und hilflose Königin, die diesen beiden Alphafrauen immer mehr ausgeliefert ist – oder nicht? Ein etwas ausgefeilterer Schlußpunkt hätte zu einem noch besseren Gesamteindruck beigetragen. Ein großartiger Film, mit Blick auf das knappe Budget verblüffend in seiner Opulenz, mit dem Lánthimos sein Renomee in Hollywood weiter ausbauen wird.

Green Book – Eine besondere Freundschaft

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Zwischen den Stühlen

20.02.2019

Hier steigen zwei absolute Könner ihres Fachs in den Ring. Deshalb macht dieser Film so viel Spaß, ohne dabei jemals ins Triviale zu gleiten. Mortensens rauhbeiniger Höhlenmensch Tony Lip ist über jeden Zweifel erhaben, ebenso wie Don Shirley, Alis leicht indignierter Intellektueller.

Farrelly, dem man nach Stilperlen wie Dumm und Dümmer oder Verrückt nach Mary einen solchen Film wohl nicht zugetraut hätte, zeichnet ein bemerkenswert vielschichtiges Bild vom Rassismus jener Jahre. Lip und sein familiäres Umfeld äußern sich verächtlich über die „Schokos“. Dabei müßten sie es besser wissen, stehen sie selbst als Nachfahren italienischer Einwanderer in der Gesellschaftsordnung Amerikas nicht eben weit oben (frage man sich mal, warum z.B. die New Yorker Feuerwehr sich historisch fast komplett aus Italienern rekrutierte – weil eben kein anderer den Job machen wollte). Immerhin ist er in seinem eigenen Milieu verwurzelt; etwas, das Shirley, ein kultivierter, aber tief einsamer Mensch, vollkommen abgeht. Im Ausland zum klassischen Pianisten ausgebildet, hat er nie eine afroamerikanische Identität erworben und sitzt daher in God’s Own Country mit all seinen Rassenproblemen beständig zwischen den Stühlen. Seine Kunst wird zwar von der etablierten Gesellschaft gefeiert, als deren legitimer Angehöriger er sich versteht; er selbst ist für sie jedoch gleich wieder der Bimbo, kaum daß seine letzte Note verklungen ist. Überhaupt entspringt die Tournee durch den Süden auch dem Umstand, daß man selbst an der liberalen Ostküste als schwarzer Pianist doch bitte schön Jazz (und nicht Klassik) zu spielen hat; eine Typisierung, die eine perfide Diskriminierung in sich trägt. Wobei man bei der Formulierung, was die legitimen kulturellen Wurzeln eines Amerikaners mit afrikanischen Vorfahren denn überhaupt sind, selbst leicht aufs Glatteis geraten kann; ist z.B. der Blues denn etwa aus freien Stücken entstanden?

Ich kann ebenso nur das OmU empfehlen, ohne welches manche Facette im Charakterbild unaufgedeckt bliebe; etwa Shirleys elaborierter Wortschatz, Ausweis eines sehr belesenen Menschen. Und wenn Mortensen hierfür nicht endlich den längst fälligen Oscar bekommt, dann weiß ich es auch nicht mehr.

Capernaum – Stadt der Hoffnung

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Aussichtslos

17.02.2019

Zerfiel für mich in zwei Teile. Im ersten lehnt sich der kleine, tapfere Zain gegen die widrigen Verhältnisse auf, die sogar zur Zwangsverheiratung seiner minderjährigen Schwester führen. So kommt der Kleine, eine große Leistung von dem juvenilen Zain Alrafeea, erstmalig mit dem Gesetz in Konflikt. Da hätte der Film schon zu Ende sein können.

Die deprimierenden Verhältnisse darzustellen, über die ganze Generationen junger Menschen im Mittleren Osten und anderswo verloren gehen, das füllt dann die zweite Hälfte. Ich mußte bis zum Schluß daran denken, daß die Überbevölkerung der Dritten Welt längst eine der größten Herausforderungen der Menschheit geworden ist. Gegenden wie eben dort dargestellt platzen schier aus allen Nähten vor lauter jungen, verlorenen Seelen, seit jeher mit Gewalt sozialisiert wie gleich im Vorspann vermittelt. Folgerichtig führt Zains Weg erneut vor Gericht. Diesmal mit der ungeheuerlichen Anklage gegen die eigenen Eltern: Wie konntet Ihr mich in diese Aussichtslosigkeit geboren haben! Es ist zu wünschen, daß die Vereinten Nationen endlich den Weg finden, diesen Gordischen Knoten durchzuhauen. Das Problem einfach nur in andere Teile der Welt auszulagern, ohne es im Kern zu lösen, hat sich jedenfalls nicht als hilfreich erwiesen. Definitiv kein Popcorn-Kino.

Schindlers Liste

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Für immer wichtig

26.01.2019

Den Film sah ich damals im Kino und war lange Zeit traumatisiert. Neben vielen anderen herzzerreißenden Szenen blieb mir jene lange im Gedächtnis, wo die Kinder auf Lastwagen ins Vernichtungslager abtransportiert werden sollen und ihre Mütter voller Angst aufschreiend loslaufen, dies zu verhindern. Das traf mich ins Herz. So eindringlich ist das inszeniert, der Film erwischt einen da in der Komfortzone des Zuschauerraums und der Terror wird injiziert.

Spielberg mußte etliche Widerstände überwinden, weil man ihm nach zahlreichen Popcorn-Blockbustern in den 80ern absprach, für ein seriöses Werk über die Shoa geeignet zu sein. Und wie er es allen gezeigt hat!

Dieser Film wird für immer wichtig bleiben. Gerade in den heutigen Zeiten, wo jüdische Mitbürger in Europa durch die ungesteuerte Zuwanderung neuer Verfolgung wie nie zuvor ausgesetzt sind. Daß der universale Judenhaß durch gewisse politische Kreise mit der Kritik an der Besiedelungspolitik Israels gesattelt wird, ist dabei zusätzlich infam.

Was von der Entscheidung der Düsseldorfer Programmkinobetreiber zu halten ist, ein dreistündiges Werk dieses großen Formats ausgerechnet ins Souterrain zu zwängen, mit der mit Abstand kleinsten Leinwand sowie der mit Abstand unbequemsten Bestuhlung, da fällt mir nichts zu ein. Es wäre doch bestimmt möglich gewesen, einen Matinee-Slot im cinema oder im atelier freizuschaufeln. Chance auf einen Nachfolgetermin?

Widows – Tödliche Witwen

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Das schwierige Verhältnis von Männern zu ihren Frauen

31.12.2018

McQueens neuer Film spaltet mich. Rein handwerklich befindet er sich absolut im Soll; kein Einwand. Für einen Regisseur stellt es ja eine Herausforderung dar, für ein Sujet, was so oder ähnlich sicherlich schon mal behandelt wurde, wiederum eine möglichst originäre Bildersprache zu entwickeln, für die die Leute ins Kino gehen. Auch das ist gut gelungen.
Ich fand dann aber den Plan, den die Witwen fassen, ziemlich hanebüchen. Als Idee für den Film, also damit ihre Probleme zu lösen, sowie auch, wie er dann im Detail abläuft. Währenddessen und danach klafft dann doch manche logische Lücke.

Eine lohnendere Aufgabe wäre gewesen, das schwierige Verhältnis von Männern zu ihren Frauen, welches sich wie ein Meta-Thema durchzieht, ausgiebiger auszuloten. Frauen werden im Film von Männern respektlos behandelt, für die eigene Agenda instrumentiert, zum Zeitvertreib gekauft und schließlich, am wichtigsten, schier betrogen. Alles im Ansatz vorhanden, aber nicht voll entwickelt, weil außerdem noch eine Milieustudie in den ethnisch spannungsgeladenen Suburbs Chicagos sowie besagter Plan gezeigt wird. Vielleicht hätte McQueen darüber einen eigenen Film drehen sollen.

Gut gefallen hat mir, daß er keine ethnische Bigotterie wie andere Filmschaffende der Gegenwart betreibt. Bei ihm ist es keine Frage der Hautfarbe, ob einer ein guter Mensch oder ein Schwein ist, wobei ich schon schlucken mußte, um ausgerechnet Daniel Kaluuya diesmal als kaltschnäuzigen Mobster zu akzeptieren.

Climax

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Lucy in the Sky

31.12.2018

Er hat es wieder getan. Fast 10 Jahre nach Enter the Void knallt Noé einem den nächsten Nagel in den Kopf. Auch Climax wird das Publikum wieder spalten. Und schon wieder fühlt man sich wie ausgewrungen, nachdem man diesen cineastischen Schwitzkasten endlich hinter sich hat. Dennoch: Noé ist sich treu geblieben und macht keine Konzessionen. Sein brachialer Kommentar zu Kontrollverlust und damit einhergehend gesellschaftlicher Verrohung wird lange im Gedächtnis bleiben.

Hindenburg

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The Disaster Artist

20.12.2018

Altmeister Robert Wise steuert hier seinen Beitrag zum damals populären Genre des Katastrophenfilms bei. Regelmäßiger Garant für das Gelingen war der Einsatz eines All-Star-Ensembles aus bewährten Hollywood-Größen bei einer vorhersehbaren Mischung an Charakteren wie Alltagshelden, Geheimnisvollen und Schurken. Mit Anne Bancroft, George C. Scott und Gig Young bietet Wise immerhin dreimal Oscar-Gold auf, dazu etliche Nominierte. Im Film bleibt jeder in seiner Ecke des Sandkastens, spielt also sehr solide seine zugedachte Rolle ohne große Überraschungen aus, und Wises Regie ist sorgfältig und unspektakulär. Das Zeitkolorit jener Jahre übersetzt das US-Drehbuch in viele kritische Bemerkungen zum Dritten Reich; daß die Hindenburg für die Nazi-Propaganda vereinnahmt wurde, konnte sicherlich als schlechtes Omen per se gelten. Mehrere falsche Fährten liegen aus, wer der Antagonist zu Oberst Ritter (Scott) wird, dem im Film die Rolle der Stimme der Vernunft zukommt; der Einzige mit genügend klarem Blick, eine Katastrophe zu verhindern.

Für die damalige Zeit sind die Spezialeffekte beeindruckend. Die paar Matte-Gemälde eingangs sind bald vergessen, sobald mit dem Luftschiff der heimliche Star des Films aus den Wolken auftaucht. Vom Interieur sind genügend Bilder erhalten geblieben. Wise ließ sich nicht lumpen und bildete alles sehr akkurat nach. Somit auch den Tragkörper des Schiffes, bald wichtig für den Plot; ein Verhau von Aluminium-Fachwerk und Traggaszellen. Wirklich gut.

Eine Herausforderung stellte die Landung in Lakehurst dar. Ähnlich wie die Bilder des Zapruder-Films emblematisch für den Kennedy-Mord sind, so jene der US-Wochenschau für die Ereignisse am Landemast. Hier mußte Wise eine Balance zwischen Authenzität und technischer Machbarkeit finden und entschied sich, die realen Bilder mit den fiktionalen Geschehnissen an Bord zu mischen. `Hat den nützlichen Nebeneffekt, daß so die nur wenige Sekunden dauernde Realfilmsequenz auf mehrere Minuten gestreckt werden konnte. Eine andere Möglichkeit, die Geschehnisse fürs Kino zu orchestrieren, wäre damals kaum vielversprechender gewesen. Selbst in der auch ansonsten wenig überzeugenden Neuverfilmung fürs Fernsehen vor ein paar Jahren war dies eine kaum zu meisternde Hürde gewesen, trotz Verfügbarkeit computergenerierter Bilder.

Ist bestimmt kein Meilenstein des Kinos, trotzdem sehr ordentlich gemacht; `was für Liebhaber.

Dogman

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Und die Moral von der Geschicht‘?

12.12.2018

Je länger der Film lief, desto mehr stellte sich mir obige Frage. Also, muß man sich erst alles kaputtmachen lassen und darüber sein soziales Umfeld dauerhaft einbüßen, bevor man anfangen darf, sich gegen das Böse, Ungerechte zu wehren? Sollte der Film einem das vermitteln? Und dann auch das Ende; hatte Garrone da keine Lust weiterzudrehen? Keine Hoffnung, kein Silberstreif am Horizont? Ich war sprachlos.

Daß die Welt schlecht ist, geschenkt; das war sie auch in Garrones Gomorrha, aber der war wie ein Dokumentarfilm gehalten. Da dies bei seinem neuesten Streich nicht der Fall ist (was bedeutet, daß er ja alle narrative Freiheit gehabt hätte), ließ dieser mich mit einem ehrlich gemeinten Schulterzucken zurück.

In den Gängen

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Fish Tank

12.12.2018

Noch so ein Film, der leicht in seichten Gewässern hätte enden können. Aber wenn ein Regisseur einen Film in einem Großmarkt ansiedelt und diesen dann mit Strauss‘ Blauer Donau eröffnet (was bei jedem Kinofan unweigerlich großformatige Assoziationen weckt), kann man auf alles gefaßt sein.

Stubers Film fängt auf vielfältige Weise Sehnsucht ein. Auf ein wenig zwischenmenschliche Wärme, gar Liebesglück, ein trostreicheres Dasein, kurzum die gerade geltenden Umstände hinter sich zu lassen. Wenn zarte Bande sprießen, läßt Stuber das Meer rauschen. Überhaupt Wasser; die besagte Donau, das Meer - Metapher für die Sehnsucht. Dagegen steht der Großmarkt am Rande der Autobahn bei Leipzig für die Umstände, aus denen es für die Charaktere keinen Ausweg gibt. Wie in einem Aquarium ziehen sie ihre eingeengten Bahnen, Tag für Tag. Im Kühlraum ist gar ein Karpfenbecken zu sehen, aus dem *platsch* einer der leckeren Burschen vergeblich zu entkommen sucht.

Wie muß einem das vorkommen - jahrelang hat man die Wende herbeigesehnt und als sie dann da war, blieb einem nichts als der Zaunplatz. Unablässig ziehen die LKWs in der Ferne vorbei, während die Charaktere, alle Verlierer ihrer Zeit, Zigaretten rauchend zuschauen, im Drahtkäfig; das auch noch! Stuber setzt Bilder wie diese als dezente, präzise Zustandsbeschreibung ein. Auch hier: Als Christian von Bruno nach der Arbeit auf ein Bier zu Hause eingeladen wird, zoomt die Kamera durch das Küchenfenster, und auf dem Fensterbrett kommt eine verdorrte Pflanze ins Bild. Da ahnt man schon, daß mit Brunos Privatleben etwas nicht stimmt. „Mir fehlt die Straße“ sagt er, der früher LKW fuhr, jetzt aber nur noch Getränke einräumt und kippt einen Kurzen. Und meint damit, ich will mein altes Leben zurück.

Steht mit seiner Lakonie in der Tradition des deutschen Erzählfilms der 80er Jahre, ist aber melancholischer.

Silence

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Schweigen?

29.11.2018

Es lohnt sich, vorher einen geschichtlichen Rundblick zu nehmen, um die Bezüge zu verstehen, die Scorsese hier Vokabeln gleich ausstreut. Danach ist der Film sehr beeindruckend, nicht zuletzt auch durch überwältigende Bilder der wilden, fernöstlichen Natur.

Obschon ich Andrew Garfield als Schauspieler normalerweise nicht so mag, bin ich voll des Lobes für seine hier gezeigte Leistung. Garfields Padre Rodrigues ist im Grunde schwach im Glauben. Um sein inneres Straucheln dreht sich der gesamte Film. Mir scheint, er sehnte sich danach, vom Glauben erfüllt zu sein, aber ergeht sich ständig in religiöses Pathos. Wie weit er vom Ziel entfernt ist, zeigt sich, als er zusammen mit einheimischen Christen gefangengenommen wird. Wie könnt Ihr so ruhig sein, wir werden alle sterben! stößt er aus. Und ruhig, dabei fassungslos blicken die Einheimischen zurück, die dieses Schicksal offenbar nicht fürchten. Waren es nicht die Missionare aus Europa, die ihnen doch das Paradiso nach dem Tod versprachen; Missionare, so wie Padre Rodrigues einer ist? Woran verzweifelt er nun, möchten ihre Blicke ausdrücken. Wenn dies darzustellen Scorseses Absicht war, dann ist das gut getroffen.

In Japan trifft der Padre auf eine hochentwickelte, buddhistische Gesellschaft. Das sind keine Wilden, die nur aufs Christentum gewartet haben. Rodriges macht keine gute Figur; in seinen Aussagen zur Religion läßt er nur die eigene Sicht gelten, wo ein Dialog evtl. erfolgversprechender wäre. Das deckt sich mit dem Ausschließlichkeitsanspruch der Kirche damals. Die Gleichnisse, mit denen ihn die Inquisitoren stellen, sind in ihrer Logik zwar entwaffnend. Aber da sie letztlich auf Xenophobie gegründet sind, wäre es ein Leichtes für ihn, sie auszuhebeln. Wieder ergeht er sich in religiöse Schlagworte; Chance vertan.

Die Inquisitoren, selbst im Angesicht ihrer macchiavellischen Grausamkeit noch höflich und zuvorkommend, zwingen die Christen zum Abschwören. Dazu läßt man sie christliche Symbole mit Füßen treten, was durch die katholische Kirche streng geächtet war. Hier grenzt nach meinem Empfinden der Film irdischen Aberglauben, von der Kirche als Machtmittel genutzt, gegen den von Gott gegebenen Glauben ab. Als überirdische Instanz ist es für Ihn nachrangig, ob jemand auf ein (letztlich irdisches) Ding aus Metall oder Holz tritt. Er blickt den Menschen ins Herz. Am stillen Höhepunkt des Films ist Gott bei Rodriges. Dennoch zerbricht jener an der auferlegten Prüfung. Da hat er den Glauben anscheinend immer noch nicht verstanden. Auch Gottes vermeintliches Schweigen nicht: „Ich litt neben Dir. Ich habe nie geschwiegen.“

Kein schöner Film über das Scheitern an den eigenen Ansprüchen.

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