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Düstere Aussichten für den Kapitalismus: Birgit Mahnkopf über die Krise
Foto: Benjamin Trilling

„Wir haben noch 20 Jahre“

13. März 2015

„Wachstumskritik als Kapitalismuskritik“ am 11.3. im Bahnhof Langendreer

Birgit Mahnkopf ist zu Gast im Studio 108 im Bahnhof Langendreer, um die Zukunft des Weltwirtschaftsystems vorauszusagen. Die Professorin für Europäische Gesellschaftspolitik an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin zählt drei Faktoren auf, die zur Krise des weltökologischen Systems des Kapitalismus geführt haben – und es sind vor allem Faktoren die der Kapitalismus verursacht, ignoriert und erst recht nicht in den Griff kriegt. Erstens: „Wir können nicht Etwas aus Nichts machen.“ Das heißt so viel wie: Der Kapitalismus verbraucht alle Ressourcen, ohne daran zu „denken“, dass irgendwann Ladenschluss ist. Zweitens kann kein Abfall erzeugt werden, der einfach verschwindet – es führt logischerweise zu katastrophalen sozial-ökologischen Schäden. Und drittens nimmt mit dem technologischen Fortschritt auch der Ressourcenverbrauch zu. Kapitalismus bedeutet also maximale Aneignung von Ressourcen (ob natürliche oder menschliche Arbeitskraft) bei maximalem Ausstoß von Müll. Das führt zur Klimakrise, aber auch zur ökonomischen wie politischen Krise. Nur ist das den meisten noch nicht so wirklich bewusst, wie sich Mahnkopf empört: „Ganz viele Menschen denken, der Klimawandel wird kommen, aber sie halten es für möglich, dass der Kapitalismus überleben wird. Der große Crash ist nicht abzuwenden.“

Eine ebenso große Krux: Wirkliches Wachstum, also die Reproduktion von Kapital auf größerer Stufenleiter, die für den Kapitalismus wesentlich ist, bleibt aus. Den Weg zurück zu einer Wachstumskonstellation wie vor der Krise gäbe es schlichtweg nicht. Schon gar nicht eine goldene Phase des Systems, wie es sie in der Nachkriegszeit gab. Trotzdem sind die verantwortlichen Krisenmanager darum bemüht, für Wachstum zu sorgen – das gilt auch für die Bundesrepublik, denn, wie Mahnkopf schließlich an Beispielen ausführt, „auch im ,Sonderfall' Deutschland sind die Krisensignale deutlich“: So sind die Vollzeitstellen um 14 Prozent zurückgegangen während die Teilzeitbeschäftigung um 120 Prozent gestiegen ist. Und das gilt erst recht für Europa: Gleichzeitig werden im Neoliberalismus mit dem Ziel einer Wachstumssteigerung die Löhne gedrückt, die Jugendarbeitslosigkeit explodiert und die soziale Ungleichheit wird weiterhin enorm zunehmen – eine Folge einer kolossalen Ungerechigkeit: Die Hälfte des weltweiten Reichtums fällt auf nur 1 Prozent der Weltbevölkerung!

Anders als Konsumkritiker wie Niko Paech, die einen drastischen Konsumverzicht, mithin eine Umstellung auf urbane Selbstversorgung als Ausweg predigen, sieht die „Öko-Marxistin“ (so Moderator und Veranstalter Uwe Vorberg) in einem anderen Konsumverhalten keine wirkliche Lösung: „Verbraucherverhalten ist ja schön und gut, aber was bringt das?“ Letztendlich sei es nur ein Perspektivenwechsel, denn der Konsument arbeitet mit: Wie wird der Profit realisiert? Zwar müsse der Ressourcenverbrauch wie auch der Konsum drastisch zurückgefahren werden (konkret auf das Niveau der 1950er bis 70er), jedoch handele es sich letztendlich um eine „globale Verwertungs-, eine Überakkumulationskrise.“ Vor dem Hintergrund dieser strukturellen Krise könne, wie die Ökonomin mehrfach betont, „die Verteilungs- und Eigentumsfrage nicht ausgeblendet werden.“ Und es könnte eine bessere Stimmung im Publikum herrschen, wenn Mahnkopf prophezeit: „Es wird eine Veränderung geben und die wird gewaltsam sein. Die Aussage ist: ,Wir haben noch 20 Jahre'“. Immerhin: nicht umsonst spricht sie dabei besonders die jungen ZuhörerInnen im Saal an.

Benjamin Trilling

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