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Regisseur Andreas Gruhn leitet das Kinder- und Jugendtheater Dortmund
Foto: Philip Lethen

Zwischen Wunschpunsch und Biofleisch

29. September 2016

Die Letzten sind nie die Ersten. Vorweihnachtsstücke im Ruhrgebiet – Prolog 10/16

Was denn, schon fünf Uhr? Und das am Nachmittag. Auch dem geheimen Zauberrat Beelzebub Irrwitzer läuft die Zeit davon: Das Böse darf nicht ruhen. Und die Aufgabe: Bis zum letzten Glockenschlag der Silvesternacht muss er sein Soll an bösen Taten für dieses Jahr erfüllen, andernfalls droht ihm die Pfändung durch den Gerichtsvollzieher. Ein „satanarchäolügenialkohöllischer Wunschpunsch“ soll helfen. Alles, was man wünscht, kehrt der ins Gegenteil. Doch der kleine, kugelrunde Kater Maurizio di Mauro und der zerrupfte Rabe Jakob Krakel versalzen Irrwitzer die Suppe, äh den Punsch. Beim Wettlauf mit der Zeit setzen die beiden vom Schnabel bis zur Schwanzspitze alles daran, die Welt zu retten. Der beliebte Klassiker von Michael Ende.

Was denn, schon wieder Tannenbaumschmückorgie? Genau. Bereits im kommenden Monat beginnen im Ruhrgebiet in den Theatern die ersten Weihnachtsstücke und waren Sie, ja Sie es nicht, der sich im letzten Jahr mokiert, dass er mal wieder alles zu spät erfahren habe und sein Enkelkind zum dritten Mal nach Starlight-Express in Bochum musste – Weihnachtsschau mit der Tante? Also, die Zauberposse mit Musik in Essen wäre eine tolle Chance zur Wiedergutmachung.

Am Dortmunder Kinder- und Jugend-Theater war einmal ein armer junger Mann, der wollte nicht arm bleiben. Erstaunlicherweise fühlte er sich zu Besserem geboren, fand ein prächtiges Gewand und beschloss, in die Fremde zu ziehen und sein Glück zu versuchen. Ein paar Straßen weiter war einmal ein junger Prinz, der hatte seine Eltern nie gesehen, denn eine Wahrsagerin hatte großes Unheil vorhergesagt. Sein Vater ließ ihn bei einem Freund aufwachsen, am 22. Geburtstag sollte er zurück, geheimes Erkennungszeichen: ein goldenes Schwert und die Parole: „Ich bin es, den ihr sucht!“ Blöd. Der arme junge Mann und der Prinz begegneten sich. Sie wurden Freunde und der Prinz verriet sein Geheimnis. Saublöd. Am nächsten Morgen ging „Der falsche Prinz“zu dem geheimen Ort. Und es klappte. Der König, erkannte seinen Sohn nicht, glaubte dem schönen Schein, ABER. Nach einem Märchen von Wilhelm Hauff war da auch einmal eine Mutter, die hatte zweiundzwanzig Jahre nur von ihrem Sohn geträumt und erkannte den Betrug, doch der König glaubte nicht an Träume, Mist. Oder doch lieber Wunschpunsch für die Kleinen?

Einen hab ich noch. Nix für Vegetarier oder Veganer oder Außerirdische von der Wega (Science-Fiction-Serie, sorry). Aber Wölfe essen eben gerne Fleisch. Und am liebsten junge, flauschige Schafe, das reinigt auch gleich die Zähne. Lesen Sie weiter, wird nicht sooo schlimm. „Ein Schaf fürs Leben“ ist ein Bilderbuch von Maritgen Matter und Anke Faust, und der Wolf kommt ganz gut weg, obwohl er nachts und mitten im tief verschneiten Winter so ein leckeres, einsames Schaf im Stall entdeckt, becirct und wegschleppen will, doch der natürliche Fressfeind hat sich verrechnet, das Schaf ist nämlich nett. Und sowas Nettes für die Vorweihnachtszeit inszeniert in Moers dies Jahr Frank Hörner, der mit Erfolg auch das Kinder- und Jugendtheater Kohlenpott in Herne leitet.

„Der falsche Prinz“ | Premiere: Fr 11.11. 19 Uhr | KJT Dortmund |0231 50 27 222

„Ein Schaf fürs Leben“ | Premiere: Do 24.11. 10 Uhr | Festivalhalle Moers | 02841 883 41 10

„Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ | Premiere: Sa 26.11. 17 Uhr | Theater Essen | 0201 812 21 88

PETER ORTMANN

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