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Ingo Ronkholz, Zeichnung Z2006-024, 2006, Farbe, Papier, collagiert
© I. Ronkholz, Repro: Lutz Leitmann, Stadt Bochum

Voreinander, zueinander

27. April 2017

Ingo Ronkholz in Bochum – Ruhrkunst 05/17

Ingo Ronkholz, der 1953 in Krefeld geboren wurde, an der dortigen Werkkunstschule und der Kunstakademie Düsseldorf studiert hat und auch heute in Krefeld lebt, gehört seit den 1990er Jahren zu den wichtigen deutschen Bildhauern mit einem reduzierten, konstruktiv orientierten Vokabular. Bevorzugt in Bronze und Stahl baut er Skulpturen, die über Verschiebungen, leichte Schrägen, Schichtungen und Staffelungen Öffnungen nach innen und sogar Durchsichten erzeugen und so die elementare kubische Gleichmäßigkeit unterlaufen. Die Fläche wird zur Basis für den Raum. Von jeder Seite sehen diese plastischen Körper anders aus. In ihrem Metallton und der dunklen, aufgerauten Patina tragen sie etwas Hermetisches in sich und gestatten doch ihre visuelle „Entschlüsselung“. Das gilt auch für seine Wandstücke, die sich regelrecht vor dem Betrachter aufklappen, also meist „flach“ bleiben.

Bereits 2004 hat das Kunstmuseum Bochum diese skulpturalen Werke gezeigt. Nun stellt es Ingo Ronkholz erneut vor, diesmal aber mit seinen Arbeiten auf Papier. Die Versuchung liegt nahe, die meist mittelformatigen Bilder als Vor- und Nachbereitungen von Skulpturen zu verstehen, schließlich gehen sie den gleichen Fragen nach. Tatsächlich aber sind sie überwiegend unabhängig entstanden. Meist handelt es sich um Collagen mit einzelnen Papierstegen oder dem zueinander versetzten Übereinander mehrerer Streifen, die ganz mit dunkler Farbe bedeckt sind und dadurch als materielle Substanz wirken. Die Öffnungen in die Tiefe – die auch jetzt an Fenster oder Türen denken lassen – suggerieren Licht. Die Bilder wirken als konzentrierter Raum, der nichts außer sich zeigt und sich doch in alle Richtungen ausdehnt. Dabei erreicht Ronkholz ein enormes Spektrum an Bildfindungen. Eine Skulptur gibt es auch zu sehen, aber erst am Ende der Ausstellung, sodass sie nichts vorwegnimmt und stattdessen die Komplexität der Bilder bestätigt. Diese aber sind Lehrstunden für das Wahrnehmen unserer täglichen Umgebung. Trockene Kost? Ganz und gar nicht. Vielmehr: Eine Wohltat in unserer reizüberfluteten Welt.

„Ingo Ronkholz im Kunstmuseum Bochum. Ein Sammlungsprojekt“ | bis 21.5. | Kunstmuseum Bochum | 0234 910 42 30
 

Thomas Hirsch

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