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Welches Siegel hält seine Versprechen?
Foto: Benni Klemann

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser

22. Dezember 2016

Bio: ein Buch mit 1000 Siegeln – THEMA 01/17 BIOKOST

Die Bio-Branche boomt: 2015 lag der Umsatz in Deutschland bei 8,62 Mrd. Euro – eine Steigerung um ca. 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch nicht zuletzt ist die Branche wegen Umetikettierungen in die Kritik geraten. Da waren konventionelle Eier plötzlich bio. Die Bio-Siegel-Reform sollte solchen Skandalen begegnen, indem sie Pestizidgrenzwerte für Bio-Lebensmittel bestimmt. Drei Jahre später ist das Projekt auf unbestimmte Zeit verschoben. Und es gelten weiter die alten Vorschriften: Ein schaler Beigeschmack. Welches Siegel kann ich da noch kaufen?

Mehr als 1000 Siegel gibt es – die des Handels, die der Anbauverbände und die gesetzlichen. Für eine solide Kaufentscheidung brauchen wir die beiden letzten. Auf Produkten mit dem EU-Bio-Siegel – drei Lettern in sechs Ecken auf weißem Grund – ist zu 95 Prozent bio drin, 0,9 Prozent dürfen Gentechnik sein, 49 Zusatzstoffe sind zugelassen. Die restlichen 5 Prozent müssen nicht biologisch sein, der Zukauf von Dünger aus konventionellem Anbau ist erlaubt. Das bedeutet auch: Fleisch- und Knochenmehle. Kritiker nennen das, zu Recht, nicht wirklich bio.

Standards, die über das EU-Bio-Siegel hinausgehen, finden wir bei Anbauverbänden wie Demeter, Bioland und Naturland. Kommt das Produkt aus deren Anbau, prangt zusätzlich zum Bio-Siegel das jeweilige Logo auf der Packung. Gentechnik? Fehlanzeige. Dünger aus konventioneller Landwirtschaft? Hier nicht. Der Hof produziert ausschließlich ökologisch, also kein Mischmasch von öko und konventionell. Der Kontamination von Bio-Produkten durch Gentechnik schiebt das zumindest teilweise einen Riegel vor. Und das umstrittene Kupfer, ausgebracht auf den Acker, um vor Pilzbefall zu schützen? Demeter, Bioland und Naturland haben die Höchstmenge begrenzt, im Vergleich zur EU-Öko-Verordnung um die Hälfte – 3kg statt 6kg pro Hektar und Jahr. Als Schwermetall kann Kupfer langfristig keine Lösung für den Ökolandbau sein. Denn es reichert sich im Boden an, schädigt dort lebende Organismen.

Auch chemisch-synthetischen Pestiziden für die Pflanzenzucht erteilen die drei Anbauverbände eine Absage. Stehen sie doch in Verdacht, das Hormonsystem zu beeinflussen und Signalprozesse von Zellen zu stören. Ihre Position bzgl. Nanomaterialien? Demeter, Bioland und Naturland verbieten die Verwendung – entgegen der EU-Öko-Verordnung – dort gibt es bislang dazu keine klare Regelung. Demeter räumt jedoch ein, Rückstände in seinen Produkten nicht völlig ausschließen zu können. Um mehr Transparenz in der Herstellungshistorie zu schaffen, entwickelte Naturland „bio-mit-gesicht“. Seit 2005 kann der Kunde Produkte so gezielt zurückverfolgen, ganz egal, ob Kartoffeln, Eier, Möhren, Pilze oder Bier. Inzwischen beteiligen sich auch Demeter und Bioland daran. Methoden, Tiere deutlich enger zu halten, sind bei allen drei Anbauverbänden stark reglementiert oder ganz verboten. Hier haben die Vögel noch Schnäbel, Ferkel noch Zähne. Und zusätzlich bei Demeter: Die Rinder Hörner. Wird ein Tier mal krank, hat die Naturheilkunde Vorrang.

Neben Demeter & Co. gibt es noch die Länder-Siegel Bio-Zeichen Baden-Württemberg, Biopark Mecklenburg-Vorpommern und Bio-Bayern. Sie stärken den Regional-Bezug zusammen mit Bio-Qualität.

Worauf kann ich als Konsument bei meinem Einkauf achten? Ganz besonders Fleisch und Milch mit Bio-Siegel kaufen. In konventionellen Produkten können sich resistente Keime verstecken – durch Tiermast mit zu viel Antibiotika-Einsatz. Was dort das Wachstum der Tiere beschleunigen soll, kann durch den Verzehr zu Resistenzen beim Menschen führen. Der Bio-Landbau nutzt zwar auch Antibiotika, allerdings deutlich seltener. Setzt beim Einkauf auf Gemüse der Saison: Ihr erhaltet nicht nur besonders aromatisches Gemüse, sondern spart noch Energie – denn für die Ware entfällt über Monate das Lagern und Kühlen. Der Gang zum Markt unterstützt Bio-Bauernhöfe der näheren Umgebung. Fragt gezielt nach Sorten vom Hof – die meisten Händler bieten nämlich mehr als ihre hauseigenen Produkte an. Da regionales Obst und Gemüse nicht fliegen muss, schont es ganz nebenbei die CO2-Bilanz.


Lesen Sie weitere Artikel 
zum Thema auch unter: choices.de/thema und engels-kultur.de/thema

Aktiv im Thema

www.bio-mit-gesicht.de | Qualitätsinitiative verschiedener ökologischer Landbauverbände, mit der Produkte gezielt bis zum Erzeuger zurückverfolgt werden können
biodukte.de | deutschlandweites Verzeichnis für Bio-Supermärkte, -Wochenmärke und Hofläden
www.tasteofheimat.de | gemeinnütziger Verein mit Sitz in Köln und Online-Plattform für Verbraucher. Bietet u.a. eine deutschlandweite Übersichtskarte mit regionalen, tierfreundlichen und bäuerlichen Lebensmittelerzeugern

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