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„Caligula“
Foto: Sandra Schuck

Tyrann im Gehege

30. November 2017

„Caligula“ im Prinz Regent Bochum – Theater Ruhr 12/17

Der Abend im Prinz Regent Theater beginnt fordernd: „Bitte nicht auf die weiße Fläche treten.“ Also sitzt man rundherum im hell erleuchteten Auditorium, wo der dritte Kaiser Roms lebt. Ihm gehört die rechteckige Fläche, die Zuschauer bilden mit den Untergebenen die Peripherie, in der man zuhört, diskutiert, sich ängstigt, denn hier kann der Tyrann eindringen – wenn er will. „Caligula“ von Albert Camus ist der Versuch, in den Kern der Despotie einzudringen, den Schattenschleier von der überbordenden Gewalt zu reißen, mit der die Figur des römischen Führers untrennbar verbunden ist. Regisseurin Clara Nielebock verarbeitet diesen Ansatz mit den großartigen Jungen Prinz*essinnen 15+ im kleinen Amphitheater.

Der rote Schwan streift durch sein Gehege. Luca Hennig tanzt das Wesen des jungen Herrschers fast unbekleidet in einem fließenden Umhang, das höfische Volk umkreist den Tempel, den schmale Lichtsäulen begrenzen. Und Hennig durchmisst dabei keine kurzen Wege, keine einfache Choreografie, keine einfache Verwandlung. Wie ein Schmetterling quetscht er sich aus der Enge seines Daseins, aus Erkenntnis des mit Zwang behafteten Scheiterns in die absolute Macht. Nur das Unmögliche bleibt noch erstrebenswert: der Mond in seiner Hand. Hennig beherrscht die tänzerischen Metaphern für solch einen Ausdruck, als Caligula ist ihm sein Körper längst fremd geworden, die Lust zur Qual, die Gedanken zur Last – und dann sind da noch die Wesen um ihn herum: Freund oder Feind, Geliebte oder Groupie, wer soll das an der Spitze einer Pyramide noch erkennen? Unten drücken sie und oben ist nur noch der Himmel – eine Heimat nur für Psychopathen, die temporär ihr Tun begreifen, aber schnell wieder an der Realität verzweifeln. Nielebock hat dafür intensive Bilder und Geschwindigkeiten gefunden. Zwischen Butoh-Ansätzen und rituellen Bewegungsmustern wechselt die Gruppe zwischen Ballett-Strukturen und Urban-Dance, zwischen Machtzentrum und Peripherie. Aber es wird keinen Ausweg geben. Der Mond wird sich vom freigelassenen Sklaven nicht zwingen lassen, der Staat muss sich befreien. „Noch lebe ich!“ muss der letzte Satz des Tyrannen bleiben.

„Caligula“ | R: Clara Nielebock | 12., 13.12. 19.30 Uhr, 20.1., 21.1. 18 Uhr | Prinz Regent Theater Bochum | www.prinzregenttheater.de

PETER ORTMANN

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