Recep Tayyip Erdoğan zieht sein Ding durch. Er sperrt kritische JournalistInnen weg, schasst MP Davutoğlu, verklagt alle, die ihn mal schief angeguckt haben und jetzt noch die Aufhebung der Immunität von Abgeordneten. Gilt das auch für den Präsidenten selbst? Ach Quatsch, aber wäre das jetzt noch Majestätsbeleidigung oder schon Blasphemie? Gleichzeitig beharrt er auf Annäherung an die EU, denn mit dem Flüchtlingsdeal hat er einen Trumpf im Ärmel. Erdoğan ist nicht der erste Despot, mit dem die EU oder Deutschland sich einlassen und er wird leider nicht der letzte sein. Wir liefern Waffen an Unrechtsstaaten, lassen von modernen Sklaven Stadien für Brot & Spiele in die Wüste bauen und unser Mitgefühl an Staatsgrenzen enden. Besser macht das den Deal mit Ankara nicht. Die Visafreiheit ist trotzdem richtig – RegimegegnerInnen könnten so immerhin leichter in die EU flüchten.
Da ziehen wir uns lieber frei nach Henry David Thoreau und unserem Monatsthema WALDESLUST ins Geäst zurück. BUND-Waldexpertin Nicola Uhde erklärt im Interview, warum der Wald für uns so wichtig ist, was ihn bedroht und wie nötig nachhaltige Forstpraktiken sind. Um Gen-Bäume, auch in Deutschland, geht es in unserer Glosse, die logischerweise den per Gentechnik zum umweltbewussten Wesen modifizierten Menschen fordert. Weitere Texte zum Thema WALDESLUST lesen Sie auch auf den Seiten unserer Partnermedien engels-kultur.de und choices.de.
Um einen moralisch höchst fragwürdigen Pakt geht es dann wieder am Schauspiel Bochum, wo Daniela Löffner ihr Publikum mit einer vierstündigen Bühnenfassung von Klaus Manns MEPHISTO herausfordert. Mit Fabian Sattler, Vorstand des MASCHINENHAUS ESSEN, sprechen wir über das ab 30.6. anstehende Maschinenhaus Festival, Physical Theatre und klären, was der Tod mit Konfetti zu tun hat. Die freie deutschsprachige Theaterszene trifft sich vom 15.-25.6. vor allem in Düsseldorf, aber auch in Mülheim a.d. Ruhr beim IMPULSE-Festival.
Sprachlos kann die Malerei ANDRÉ BUTZERS machen, der die Auslöschung jeglicher Gegenständlichkeit als Steigerung seines früheren „Science-Fiction-Expressionismus“ – bunte Figurationen an der Grenze zur Abstraktion – versteht. Seine aktuelle Schau ist in der Neuen Galerie Gladbeck zu sehen. Florian Ebner, Chef der Fotografischen Abteilung im Essener MUSEUM FOLKWANG, fachsimpelt mit uns über die Ausstellung „Heinrich Kühns Kasten“. Mit der Modefotografin Regina Relang bleiben wir im selben Medium. In der Ludwiggalerie Oberhausen sind ihre Werke in der Schau INSZENIERTE ELEGANZ zu sehen.
Elegant sind auch die atemberaubenden Plansequenzen und die filmische Choreografie, mit der Regisseurin MARIA SCHRADER eine magische, inszenatorische Dichte in unserem Film des Monats VOR DER MORGENRÖTE gelingt, mit dem sie die letzten Stationen im Leben des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig bis zu seinem Freitod 1942 in Brasilien begleitet. Grund genug, sie auch noch zum Gespräch zum Film zu treffen. Etliche historische Stoffe finden sich auch im Oeuvre von VOLKER BRUCH. Wir sprechen mit ihm anlässlich der Managersatire „Outside the Box“ u.a. über Paintball-Spiele. Wenn schon Krieg, dann lieber spielen als führen.
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