Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29

12.324 Beiträge zu
3.650 Filmen im Forum

Mischanlage Essen
Foto: Joerg Brueggemann Ostkreuz Ruhrtriennale

Den Pop gerührt, manchmal geschüttelt

28. August 2019

Tony Cokes Installation in der Mischanlage von Zollverein – Kunstwandel 09/19

Irgendwo in den Innereien der Essener Kokerei Zollverein flimmern Bildschirme vor riesigen Trichtern aus Beton. Zu sehen sind Schrift, Szenen, bunt, schwarzweiß. Da. „Guitar music is out“. Nichts ergibt Sinn. Vorerst. Tony Cokes, der diese Mehrkanal-Installationen für den diesjährigen Beitrag von Urbane Künste Ruhr zur Ruhrtriennale aufgebaut hat, zeigt eine mögliche Vision zur Evolution von Musik aus verschiedenen kulturellen Zusammenhängen, und er zeigt, wie Popmusik durch politisches Handeln missbraucht und verändert wird. „Disco isn’t dead. It has gone to war.“ Hinter dieser bunten Textzeile stecken Abgründe, tun sich Folterbilder auf aus Abu Ghraib, genau wie aus Internet-Werbebotschaften des IS. Mir geistert plötzlich Anne Clarks „Our Darkness“ durch den Kopf. Sind das hier auch Urban Nightmares?

Dann gibt es den interaktiven Kopfhörer auf die Ohren und man wandert durch den verwirrenden Kosmos des US-amerikanischen Künstlers aus Richmond, Virginia. Dabei sind die Zeichen, Musik und Assoziationen eigentlich leicht zu entziffern. Elf Videos auf fünf Bildschirmen und einer Videowand geben dabei einen fantastischen Einblick in eine Arbeit, die sich seit den frühen 1980ern immer mit der Wechselwirkung von Musik und Gesellschaft beschäftigt hat, die theoretische Schnipsel von Derrida, aber auch Textzeilen aus der Hip-Hop-Kultur miteinander vermengt, oder zeitgenössisch korrekt sampelt. Auch optisch sind die Screens an einem optimalen Ort in der ehemaligen Mischanlage der Kokerei. Hier die mächtigen Trichter, Hörnern gleich, dort die geschwungene Treppe ins Nichts. Immer wieder entstehen im Raum neue Assoziationen, ganz aktuell auch Geflechte, die das Ruhrgebiet und die einst getane körperliche Arbeit am vorgefundenen Ort reflektieren, aber auch die Mutationen von Jugendkultur auf der Zeitachse des Reviers.

Die Installation „Mixing Plant“ ist das primäre Highlight des Spätsommers. Lässt der Besucher sich drauf ein, kreiert er seinen eigenen Teppich aus Sätzen und Sound „and things are continually shifting“. Und nimmt ohne Kopfhörer so ein kosmisches Hintergrundrauschen aus allen Ecken wahr. Das ist ein Soundteppich von Richard Ortmann aus seinem Archiv für verschwindende Geräusche. Don´t be alarmed.

Tony Cokes: Mixing Plant | bis 29.9. | Mischanlage, Kokerei Zollverein, Essen | 0234 97 48 33 00

PETER ORTMANN

Neue Kinofilme

Downton Abbey

Lesen Sie dazu auch:

Αλληλεγγύη im gestrandeten Flugzeug
Der „Third Space“ bei der Ruhrtriennale – Prolog 09/19

Verausgabung als Ereignis - Neuer Tanz bei der Ruhrtriennale
Die Ruhrtriennale geht beim Tanz bis zum Äußersten – Tanz in NRW 09/19

„Haben wir diese Werte je selbst eingehalten?“
Stefanie Carp über ihr zweites Jahr Ruhrtriennale – Premiere 08/19

Vertrauen in die Literatur
Barbara Frey leitet ab 2021 die Ruhrtriennale – Theater in NRW 08/19

Sie bleibt
Stefanie Carp wird Vertrag als Chefin der Ruhrtriennale erfüllen – Theater in NRW 12/18

„Klar antisemitisch“
BDS-kritische Resolution der Parteien im NRW-Landtag – Theater in NRW 10/18

Nur Fiktionen überdauern die Kindheit
Mariano Pensottis Theaterabend „Diamante“ bei der Ruhrtriennale – Auftritt 09/18

Kunst.