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Laibach, Chess für vier (Ausschnitt), WAT, 2003 © Sašo Podgoršek

Sie sind längst überall und nicht mehr lustig

30. Oktober 2014

„Böse Clowns“ vom Hardware Medien Kunstverein im Dortmunder U – Kunstwandel 11/14

„My makeup is dry and it cracks ’round my chin, I‘m drowning my sorrows in whisky and gin.“ So nachdenklich wie die Kinks in „Death of a clown“ auch das öde Berufsleben der Spaßmacher beschreiben, so langweilig bräuchte es gar nicht zu sein, wie die Ausstellung „Böse Clowns“ in Hardware Medien Kunstverein (HMKV) im Dortmunder U zeigt. Clowns leben auch auf der dunklen Seite der Macht, wenn man an„Pennywise“, den sadistische Mörder-Clown aus Stephen Kings Roman „Es“ denkt. Der hatte aber ein reales Vorbild:John Wayne Gacy,ein Massenmörder, der hinter einer bürgerlichen Fassade versteckt zwischen 1972 und ’78 gleich 33 Jungen und junge Männer missbrauchte, tötete und vergrub. Dazu tauchte er auf Festen immer als „Pogo der Clown“ auf. Eine riesige Wandtapetein Dortmund zeigt eine Farbfotografie von Pogo, wie er hinter einer Tanne steht, und mit Luftballons winkt. Die Killerclowns waren in der Welt und sie lassen sich nicht verscheuchen. Die skurril Maskierten besaßen immer auch teuflische Züge und transportierten bereits im antiken Theater in den Komödien bösen possenhaften Humor.

21 Künstler haben sich mit der Figur beschäftigt. Die Masken sind dabei vielfältig, aber immer auch Mittel für einen bestimmten Zweck. Betritt man die Räume des HMKV, stößt man visuell erst einmal auf die russischen Mädels von Pussy Riot, die maskiert eine ihrer spektakulären Performances in einer Kirche zelebrieren und vom göttlichen Dreck künden. Sie verlangen, dass die Mutter Gottes endlich Feministin wird und natürlich Putin weg muss. Gleich nebenan eine Dokumentation über die Aktivisten von Anonymous, die seit 2008 bei Demonstrationen der Occupy-Bewegung eine Guy-Fawkes-Maske tragen. Der radikale Katholik war nicht nur gescheiterter Attentäter, sondern auch Namensgeber eines britischen Karneval-Volksfestes. Dass er im 2006 verfilmten Comic „V wie Vendetta“ seine Gesichtszüge dem Titelhelden leihen sollte, ich weiß nicht, ob ihm das gefallen hätte.Inke Arns, HMKV-Chefin und Kuratorin der Schau hat auch viel Wert auf den optischen Gesamteindruck gelegt. Es macht Spaß durch die Ausstellung zu streifen und die vielen kleinen Dinge zwischen absurden Ronald-McDonald-Videos und den „Krusty“-Bild-Devotionalien aus „The Simpsons“ zu entdecken, auch ohne Clownskostüm. Ein Highlight in der kreativen Informationsflut ist sicher Cindy Shermans „Untitled #422“, ein C-Print, auf dem die Konzept-Fotografin mit blauem Kostüm und roter Nase nicht mehr zu erkennen ist. Ein aufgeschminktes Grinsen verdeckt da die traurige Mimik. Ein Clown-Leben ist eben nicht immer nur Zuckerwatte schlecken.

Weiter geht es an den Gorilla-Girls („Do Women Have to Be Naked to Get into the Met. Museum?“) vorbei, ein paar Minuten Christoph Schlingensiefs „U3000“-Doku auf dem Fernseher, waren das etwa dieJacob-Sister-Clowns mit Hündchen? Kann doch nicht sein.Weitere Höhepunkte sind die Yes Men und das längere Performance-Video „Hilarious“ (21 min) der israelischen Künstlerin Roee Rosen. Es bleibt die clowneske Frage:„Wo muss eine Gesellschaft hin, damit sie die Figur des Killerclowns braucht?“

„Böse Clowns“ | bis 8.3. | HMKV im Dortmunder U | 0231 496 64 20

PETER ORTMANN

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