Die Zukunft des Journalismus wird wohl nicht in erster Linie im Print-Segment liegen. Das untermauern zumindest Verlage wie das Medienhaus Lensing oder Genossenschaften wie die taz. Doch wie die Nachfolge der gedruckten Zeitung aussehen wird, ist noch offen. Redaktionen und Marketingabteilungen tüfteln an verschiedenen Online-Abo-Angebote, während reine Online-Magazine wie etwa nachtkritik.de eine neue LeserInnenschaft für sich gewinnen.
Als innovatives Zukunftsmodell gilt auch die Plattform „RiffReporter“. Das von den freien Journalisten Tanja Krämer und Christian Schwägerl ins Leben gerufene Projekt wurde bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Grimme-Online-Award. Rainer Kurlemann schreibt bei den RiffReportern im Ressort Wissenschaft. Im Blue Square präsentierte er das Publikations-Prinzip des genossenschaftlich organisierten Online-Magazins im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Die Wissensmacher“ von der Ruhr-Universität Bochum und der TU Dortmund.
Als langjähriger Journalist weiß Rainer Kurlemann die Vorzüge einer digitalen Plattform für freie AutorInnen zu schätzen. Vor mehr als 30 Jahren kam der studierte Chemiker zur Rheinischen Post, wo er über Sport und Lokales schrieb. Bis ihn der Chefredakteur anrief, um anzufragen, ob Kurlemann über die DNA-Entschlüsselung berichten könne.
Wenn der Wissenschaftsjournalist heute bei den RiffReportern einen Artikel verfasse, falle eine solche Kommunikation mit der Redaktion weg, so Kurlemann: „Für mich kommt das als Freiberufler einer Revolution gleich, weil ich über meine Inhalte entscheiden kann.“ Denn die MitarbeiterInnen von RiffReporter stellen ihre Beiträge selbst online und bieten diese zum Verkauf an. Keine Redaktion, kein Verlag, so Kurlemann: „Als Autor muss ich nur angeben, wie ich den Text verkaufen will.“ Um den Rest kümmert sich der Programmierer der Plattform.
Kurlemann sieht darin auch einen Vorteil für die LeserInnen: „Sie können den Journalismus direkt von den Erzeugern kaufen.“ Wer auf der Seite scrollt, findet die verschiedenen Ressorts, die sogenannten „Korallen“ mit Titeln wie „Journalismus der Dinge“ oder „VR Reporterin“. LeserInnen können dort Abos bestimmter Texte abschließen oder einzelne Artikel nach Interesse erwerben. Dadurch entstehe ein direkter Kontakt zwischen Leser und Autor. Ein Feedback, ohne dass Lesebriefe verfasst werden müssen, so Kurlemann: „Das ist etwas, das ich in der Zeitung vermisst habe.“
Ein regelmäßiger Kontakt bestehe auch zu Stadtbibliotheken oder Redaktionen, die Artikel aufkaufen oder gleich Flatrates erwerben. „Insofern sind Verlage für uns keine Konkurrenz, sondern Geschäftspartner“, so Kurlemann. Jagd nach Klicks möchte man jedoch nicht betreiben: „Wir haben nichts davon, wenn uns tausend Leute besuchen, aber nur für zehn Sekunden.“ Da dürfen Artikel auch mal eine Lesezeit von 19 Minuten beanspruchen. Gründliche Recherche solle zudem vor emotionalen Narrativen stehen, was durch Faktenchecks und Qualitätssicherung garantiert werden soll. Im Zuge von Medienwandel und Vertrauenskrise (Relotius) können daraus auch die größten Verlagshäuser lernen.
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