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Bereit für spektakuläre Projektionen: Die Kuppel im Planetarium
Foto: Stadt Bochum. Referat für politische Gremien, Bürgerbeteiligung und Kommunikation / Planetarium

Der Pott anne Decke

05. Juni 2022

Filmvorführung „Future Ruhr“ im Planetarium Bochum – Kunst 06/22

Zwischen den beiden Weltkriegen probten Filmregisseur:innen zum ersten Mal, das moderne Großstadtleben mit den Kameras zu erkunden. Das Ergebnis auf der Leinwand waren weniger dokumentarische Reportagen, sondern manieristische Kaleidoskope wie Walter Ruttmanns „Berlin: Die Sinfonie der Grosstadt“, welche den Takt des modernen Massenlebens in rhythmische Montagen verwandelte.

Die Tradition dieses Subgenres – zusammengefasst als City- oder Urban Symphony – griff auch das Team von „Future Ruhr“ bei ihrem Filmprojekt auf, den sie erstmals Anfang Juni im Planetarium Bochum präsentierten. Unter der Leitung von Regisseurin Sofia Mellino, die 2019 aus Buenos Aires nach Essen zog, entwickelte die Filmcrew zwei Jahre ein Full Dome Video über das Ruhrgebiet. Diese digitale Technik lässt sich übersetzen als „Ganzkuppel“; denn als Projektionsfläche ist eine Kuppel vorgesehen, wodurch sich ein immersives Seherlebnis konstituiert.

Sessellehnen unter Tage

So empfiehlt es sich auch im Planetarium, die Sessellehnen nach hinten zu fahren, um die spektakulären 360-Grad-Aufnahmen zu verfolgen. Und die beginnen an diesem Abend unter Tage: als Kamerafahrt durch einen dunklen Bergbauschacht. Bevor es wie im Flug weiter geht, vorbei an den brennenden Öfen der Stahlwerke oder den Hochhäuserschluchten. Tatsächlich entwickelt dieser immersive Ritt durch die Region schnell einen Sog, was vor allem an den innovativen Spezialeffekten und ihren Schauwerten liegt.

Die Filmcrew rekrutiert sich aus dem Future Campus Ruhr, eine Institution, die in der einstigen Industrieregion Silicon Valley-Charme versprüht. Denn seit 2014 tüfteln Kreative in Essen an wissenschaftlichen und künstlerischen Cross-Over-Projekten, die das neueste, digitale Know-how kombinieren: von der Programmierung oder Game-Entwicklung bis zur ästhetischen Umsetzung der VR- und XR-Technologie.

Grüner Pott

Die Macher von „Future Ruhr“ stehen damit für die Potentiale einer Region, die sie im Film selbst inszenieren: Denn ihre Hommage an den Pott ist nicht nostalgisch, sondern visualisiert den Strukturwandel lebendig. So wuchern Pflanzen entlang der grauen Gebäudekomplexe, oder Street-Dance-Akteure tanzen vor der Skyline des fünf Millionen Einwohner zählenden Ballungsraums. Grün und kreativ ist der neue Pott, der sich anne Decke bestaunen lässt.

Benjamin Trilling

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