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Geben Gastspiele in Fußballstätten des Ruhrgebiets: Anne Rietmeijer, Konstantin Bühler und und Karin Moog
Foto: Stephan Schütze

Panenka-Heber und Dialog-Doppelpässe

19. Mai 2022

„Nicht wie ihr“ im Deutschen Fußballmuseum Dortmund – Bühne 05/22

Nonchalant war es, wie Antonín Panenka diesen legendären Elfmeter versenkte. Der tschechoslowakische Fußballspieler spekulierte im EM-Finale 1976 darauf, dass sein Gegenüber, der DFB-Keeper Sepp Maier, ins Toreck springt. Was er tat. Während Panenka den Ball elegant in die Mitte lupfte. Cool und selbstsicher.

Genauso wie sein Idol will jetzt auch Ivo Trifunović einen bösen Treffer landen. Ins Herz von Mirna, einer Jugendliebe, mit welcher der junge Fußballstar, Ehemann und Vater zweier Kinder eine Affäre pflegt. Jetzt will er Schluss mit ihr machen. Und erhält eine Abfuhr. Schließlich waren beide nie zusammen, wie sie kontert. Konstantin Bühler, Anne Rietmeijer und Karin Moog zelebrieren in dieser Szene von „Nicht wie ihr“ einen feinen Dialog-Doppelpass, der in einem Wutanfall eines Machos mündet, von Rietmeijer und Moog wie ein plärrendes Balg dargeboten.

Mittelmäßige 100.000 Euro

Dabei ist dieses Gastspiel des Schauspiel Bochum im Deutschen Fußballmuseum keine Satire über das abgehobene Fußballgeschäft. Malte Jeldens Inszenierung basiert auf dem gleichnamigen Erfolgsroman des österreichischen Autors Tonio Schachinger, der aus dem Innenleben eines fiktiven Fußballstars erzählt: Ivo hat bereits früh den Sprung ins Profibusiness geschafft; über die Stationen HSV, Real Madrid oder Chelsea strandet er schließlich beim eher mittelmäßigen FC Everton, wo er 100.000 Euro verdient. Pro Woche.

Nostalgische Magie

Passend dazu erklingt im Fußballmuseum eingangs die Vereinshymne dieses Liverpooler Clubs, während das dreiköpfige Bochumer Ensemble in neutralen Trikots und Stutzen die bescheidene Holztribüne betritt. Alle wechseln die Rollen, mimen mal Ivo selbst, mal seine Gegenüber. Oder sie performen seine erlebte Rede und den Erzähler. So schildern sie gleich zu Beginn, wie Ivo in seinem Bugatti über die Straßen brettert – hinter verdunkelten Scheiben und einer Sonnenbrille. Und das steht sinnlich für den Verdruss des einstigen Shootingstars, der einen Karriereknick auskuriert, den das ständige Coaching- oder Mentalitäts-Blabla langweilt und der sich mit Verletzungen rumplagt. Dieses Gastspiel erzählt humorvoll von den vermeintlich glamourösen Schattenwelten des milliardenschweren Fußballgeschäfts, in der nur noch ein nostalgischer Platz ist für die Magie eines Panenka.

Nicht wie ihr | 10.6. 19 Uhr | nächste Aufführung: VfL Bochum 1848, Stadtwerke Bochum Lounge | Schauspielhaus Bochum | 0234 33 33 55 55

Benjamin Trilling

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