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Lieber nicht!

31. Juli 2014

Musiker werden, Platten veröffentlichen – ist das immer eine gute Idee? – Kompakt Disk 08/14

Was für eine freundlich klingende Band sie sind – immer noch: NRBQ spielen seit den späten 60er Jahren ihren quirligen Roots-Rock ohne große Hits abseits der Charts. Kleine Überraschungen – jazzige, experimentelle Ausflüge bis hin zum Sun-Ra-Cover – gab es dazwischen immer wieder. Auf dem neuen Album „Brass Tracks“ ist das nicht anders, und sie transportieren immer noch eine unbeschwerte Stimmung (Clang!). Jens Friebe, Sohn der Hamburger Schule, macht auf seinem neuen Album „Nackte Angst zieh dich an wir gehen aus“ einen musikalischen Rundumschlag: Elektropop, Punk, Liedermacherei, ein Schlaflied, Streicher und sogar englischer Gesang – alles dabei. Auch textlich herrscht hier keine Armut, wie bereits der Albumtitel erkennen lässt. Bonmots bietet dieser bunte Strauß zur Genüge (Staatsakt). Auf der Compilation „Low fidelitiy“, eine Art Reste-Rampe für Hamburger Bands, ist Friebe nicht vertreten. Dafür gibt es unveröffentlichte Stücke von den Sternen, Deichkind, DJ Kozes Nebenprojekt Adolf Noise, Dackelblut bzw. Jens Rachut solo, Schorsch Kameruns Projekt Kameruntrucs, Erobique, ein Rework von Tocotronic und vieles mehr. Tatsächlich ist bei den meisten der bislang verschmähten Stücke – so unterschiedlich sie auch sind – eine Veröffentlichung in dieser Form gerechtfertigt (Staatsakt).

Total 14“, die 14. Werkschau des Kölner Labels Kompakt, ist wieder ein Füllhorn, das Techno von minimal über melodic und vom Tool zum Song durchdekliniert. 25 Stücke von Altbekannten aus dem engeren Zirkel wie den Gebrüdern Voigt mit einem Edward-Collins-Zitat, Jürgen Paape, Thomas/Mayer, Superpitcher, The Modernist, Justus Köhncke mit einer Acid-Ode an den Loop oder Thomas Fehlmann paaren sich mit jüngeren Freunden des Hauses und Neuzugängen. Sicher ist der ein oder andere verzichtbare Track dabei, aber alles in allem ist auch das ein schönes Statement.

In der zweiten Hälfte der 50er Jahre gab es einen kurzen, aber heftigen Hype um den Calypso. Die afro-karibische Tanzmusik von Leuten wie Lord Kitchener oder Lord Invader schwappte in die USA und von dort aus in die ganze Welt. Harry Belafonte veröffentlichte mit dem Album „Calypso“ 1956 den ersten Millionseller der Popgeschichte, die Andrews Sisters plagiierten erfolgreich karibische Originale, Fred Astaire, Robert Mitchum und Louis Armstrong sprangen ebenfalls auf den Trend auf. Der „Calypso Craze“ der Jahre ’56/’57 wird auf sechs CDs mit 173 Stücken, einer DVD und einem dicken Buch ausführlich beleuchtet (Bear Family). Auch die dritte Ausgabe der Reihe „Early Black Rock ‘n’ Roll“ gräbt nach dem Ursprung des Rock ‘n’ Roll, der im rohen, schwarzen Rhythm ‘n’ Blues zu finden ist. Jonathan Fischer hat dieses Mal 26 Titel von Ike & Tina Turner, Bo Diddley, Elmore James, John Lee Hooker, Howlin‘ Wolf oder Muddy Waters – um nur die Bekanntesten zu nennen – zusammengestellt, die mit ihrer ungestümen Art allesamt mitreißend sind (Trikont). In diesem Kontext fühlt sich Ian F. Svenonius, früher Nation of Ulysses und The Make-Up, aktuell Chain & the Gang, wohl. Jetzt sind seine „22 Strategien für die erfolgreiche Gründung einer Rockband“ auf Deutsch erschienen. In Séancen hat er legendäre Musiker nach Tipps befragt und einen Ratgeber für angehende Rockstars geschrieben, der nicht nur Fragen zu Bandname, Produktion, Aufnahme oder auch Disziplin, Sex und Kapitalismus beantwortet, sondern auch erklärt, warum man es meistens lieber lassen sollte (Metrolit).

CHRISTIAN MEYER

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