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Roland Topor, L'Emigrant, 1977, Tuschfeder, Farbstift auf Papier, 38x56,5 cm, Sammlung Keel
© VG Bild-Kunst, Bonn

Lauter Querköpfe

30. August 2018

Roland Topor im Folkwang Museum Essen – Ruhrkunst 09/18

Verstehen Sie's? Die Gedanken- und Bildwelt von Roland Topor ist skurril, grotesk und dabei in ihre Kultur in Paris eingebettet und auf eine feine Weise gebildet. Sie zitiert und erfindet neu, hat dabei, zumal im schnörkellosen Realismus der Darstellung, etwas kindlich Offenherziges und ist doch alles andere als naiv. Jede Zeichnung ist ein neues Abenteuer und deshalb fällt es gar nicht auf, dass der Werküberblick zum posthumen 80. Geburtstag von Topor (1938-1997) im Museum Folkwang gar nicht so umfangreich ist. Okay, da sind die Plakate, die Topor für Theaterinszenierungen geschaffen hat, die eigenen Zeichentrickfilme und die Buchillustrationen, aber der Nucleus des Werkes von Topor, der zudem Theaterstücke und Romane geschrieben hat und als Bühnen- und Kostümbildner tätig war, ist doch die Zeichnung, sei es mit Tusche, als Aquarell oder als Druckgrafik. Seine einzigartige, beiläufige Intensität erreicht er mit dem Strich, der Präzision mit der Reduktion auf das Wesentliche verbindet.

Dabei spielt eine Rolle, wie die Figuren und Dinge im Blattweiß stehen, Plastizität evozieren und häufig monumental wirken – die Vergrößerung ist ohnehin ein Trick der Topor'schen Zeichenkunst: Tiere und Tierwesen sind hier größer als der Mensch selbst. Es scheint, als haben wir es mit Taschenspielertricks zu tun, die mit einer gewissen Langsamkeit vorgetragen werden. Die Figuren scheinen sich auf einer Scholle zu bewegen, sie staffeln sich in die Bildtiefe oder stehen, ja, hängen am Abgrund und man weiß nicht, ob es bergauf oder bergab geht. Im übertragenen Sinne geht es um die Abgründe unserer Existenz, um Urängste und Beziehungsgeflechte. Die Kommunikation scheitert, kommt nicht voran. Robert Topor hinterfragt bildmächtig, wie Menschen miteinander umgehen, wie sie sich verstehen, was sie zu Individuen macht und wo sie dem Herdentrieb folgen. Wo sie scheitern, aber es nicht einsehen wollen. Und der Betrachter? Der denkt lange drüber nach, kommt nicht zum Schluss, versteht auf seine Weise oder versteht nicht. Dem tragischen Zauber dieser Zeichnungen kann man sich nicht entziehen.

Roland Topor: Panoptikum | bis 30.9. | Museum Folkwang Essen | www.museum-folkwang.de

Thomas Hirsch

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