Nur eine Skulptur. Mitten im Glaskubus des Lehmbruck Museum. „Rotating Labyrinth“ ist eine technoide kreisförmige Konstruktion und als solche schön, perfekt, ein bisschen wie aus einem Forschungslabor. Auf einer Sockelfläche aus schwarzem Stein ragen im gleichen Abstand leicht überlebensgroße Stelen aus Spiegelglas empor. An einer Seite ist Platz zum Eintreten. Auf der Scheibe dann befindet sich ein weiterer Kreis aus den gleichen Stelen, auch dieser ist zu betreten: Wir stehen im Zentrum, vielfach gespiegelt von allen Seiten, auch der Raum reflektiert in den Schlitzen, zwischen denen man wiederum auf die reale Umgebung sehen kann. – Dann ein Gefühl: Der Boden, auf dem wir stehen, dreht sich. Betrifft das nur die innere Scheibe oder auch den Ring der äußeren Stelen? Im Uhrzeigersinn oder gegen diesen? Erst allmählich wird klar, dass sich die beiden Kreise gegenläufig – mit leicht anwachsender Geschwindigkeit? – drehen und die äußeren Stelen dabei auf und ab heben, wodurch sich die Spiegelung verändert …
Das ist das Faszinierende dieser ebenso einfachen und reduzierten wie komplexen Konstruktion, die autonome Skulptur und Installation im Raum zugleich ist: Auch wenn wir alles nachvollziehen können, begreifen wir vieles nicht. Der Boden scheint unter den Füßen zu schwanken, umso mehr wird uns unser Körper bewusst im „Ausgesetzten“ wie in einer Zentrifuge. Und schon stehen wir vor einem Bündel physikalischer und philosophischer Fragen.
Mit solchen Skulpturen hat es der dänische, in Berlin lebende Jeppe Hein (*1974) zu Recht in die Champions League der zeitgenössischen Skulptur geschafft. Nebenbei denkt er mit Arbeiten wie dem „Rotation Labyrinth“ für die Gegenwart wesentliche Fragen der ZERO-Bewegung weiter, die mit Licht, Reflexion, Rasterstrukturen und technischer Perfektion die Kunstgeschichte der 50er und 60er Jahre mitgeschrieben hat. Was wir sehen und betreten, wird tatsächlich zum Labyrinth: Weniger und mehr zugleich gab es in diesem Ausstellungsraum und in der so spannenden Reihe „Sculpture 21st“ im Lehmbruck-Museum noch nicht zu sehen.
Jeppe Hein | bis 23.10. | Lehmbruck Museum Duisburg | 0203 283 26 30
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