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Szene-Treffen am DJ-Pult
Foto: Marco Papadopoulos

Old School Rap und Mario Kart

13. August 2018

Das HipHop-Format „Goldene Zeiten“ in der Rotunde Bochum hieß am 11.8. den Rapper MC Bomber willkommen – Musik 08/18

In der Rotunde Bochum wurde am Wochenende erneut den vermeintlich glorreichen DeutschRap-90ern gehuldigt. Das Party-Format „Goldene Zeiten“ brachte am Samstag (11.8.) Old School Beats und Gaming-Nostalgie (in der Spielecke mit Super Nintendo) wieder zurück und konnte besonders im Hip-Hop Bereich mit den gezeigten Live-Auftritten punkten. Beginn war um 18 Uhr, das Ende etwa 12 Stunden später am nächsten Morgen. Ein halber Tag für eine Zeitreise in das Lieblingsjahrzehnt vieler Hip-Hop-Fans und –Akteure, wie z.B. dem Duo Kunstfabrik aus Dortmund. Die zum Krupplyn-Kollektiv gehörenden Jungs Beatschmiede und Yuto überzeugten das Publikum mit intelligenten Reimen und entspanntem Flow. Ganz klar setzt sich ihr Stil vom derzeitigen Mainstream-Rap ab, ohne allzu nostalgisch zu wirken. Fern jeglicher Aggressivität stimmten die beiden Jungs aus dem Ruhrgebiet das gemischte Publikum mit lässiger Kopfnicker-Musik auf den späteren Main-Act ein.

Gegen 23 Uhr kam er dann auch, der Berliner Rapper MC Bomber, der sich mittlerweile durch seine schmutzigen, sarkastischen, aber vor allem wortgewandten Lyrics in der Rap-Szene einen Namen gemacht hat. Und MC Bomber bleibt seinen musikalischen Vorbildern treu: auch seine Beats und sein Rap-Stil entstammen einer bereits vergangenen Zeit, werden aber den Hörgewohnheiten des neuen Publikums gerecht. Ein Untergrund-Rapper, der mit im Durchschnitt einer Million Aufrufen bei Youtube gar nicht mehr so Untergrund ist. Einige seiner bekanntesten Lieder sind „Gebüsch“, „Taubensohn“ und „Phase 1“. Und vor allem textlich macht er seinem „Chef“ Frauenarzt, Rapper und Gründer des Labels Proletik, alle Ehre und tritt musikalisch in die Fußstapfen der Royal Bunker Generation, die Ende der 1990er Deutsch-Rap neu definierten.

MC Bomber parodiert bewusst die eigene Szene und macht sich über alles und jeden lustig, was dann auch Themen wie Gewalt, Misogynie, Homophobie und Drogen nicht ausschließt. Eine Kostprobe: „Schwule-Schlampen-Jungs talken über Business/Glaub mal nicht, dass du jetzt Nacken hast nur weil du bei McFit bist/Ihr seid dick am Schwindeln, wenn ihr über eure Autos sprecht/Der Unterschied zwischen uns, ich habe nur mit Frauen Sex.“

Wer die überzogenen Beleidigungen zu ernst nimmt und schnell die Funktion von bekannten Deutsch-Rap-Motiven überinterpretiert, hätte bei diesem Auftritt in der Rotunde keinen Spaß gehabt. Klar, MC Bomber ist ein Berliner Junge, der gerne den prolligen Provokateur mimt. Aber gerade die Mischung aus kontroversem Inhalt, sprachlich-rhythmischem Talent und musikalischer Qualität macht den Reiz seiner Konzerte aus. Ein sehr interessanter und vielleicht auch komplexerer Rapper als man sie ansonsten findet, davon zeugen auch seine von Anarcho-Stil geprägten Videos.  Deswegen fällt es schwer seinen Worten zu glauben: „Meine Zielgruppe: dumm, deutsch, gewaltbereit/Ich baller in die Cypher, um euch in zwei zu teilen.“

Wer auch immer seine Zielgruppe ist, auf jeden Fall verbreitete er gute Laune unter dem Publikum, mit dem er viel interagierte und gelegentlich anstieß auf einen Abend, an dem der HipHop sich vor allem selbst feiern wollte.

Marco Papadopoulos

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