Tödliches Kommando – The Hurt Locker
USA 2008, Laufzeit: 124 Min., FSK 16
Regie: Kathryn Bigelow
Darsteller: Jeremy Renner, Anthony Mackie, Brian Geraghty, Guy Pearce, Ralph Fiennes, David Morse, Christian Camargo, Suhail Aldabbach, Evangeline Lilly
Sanborn und Eldridge sind junge Soldaten im Irak und spezialisiert auf Bombenentschärfungen. Als ihr Sergeant bei einem Einsatz ums Leben kommt, übernimmt William James das Kommando. Der junge Sergeant scheut kein Risiko und begeht so manchen gefährlichen Alleingang.
Kathryn Bigelow ist seit den 1980er Jahren die Fachfrau für harte Männeraction im Hollywoodfilm. Eine seltene Ausnahmeerscheinung, weil es dort nach wie vor wenige Filmemacherinnen gibt. Eine Regisseurin im Actionfach ist noch ungleich seltener, aber Bigelow hat sich mit Filmen wie „Gefährliche Brandung“, „Strange Days“ oder „K-19 – Showdown in der Tiefe“ einen mehr als respektablen Ruf erarbeitet und auch kommerziell erfolgreiche Werke vorgelegt. In „Tödliches Kommando“ begibt sie sich nun mit einer Spezialeinheit, einem Bombenräumkommando, in die Hölle auf Erden. Schon in der ersten Sequenz lässt sie keinen Zweifel aufkommen, was uns in den folgenden zwei Stunden erwarten wird. Mit der Handkamera ist sie stets ganz nah dran am Geschehen, an den lebensgefährlichen Einsätzen des Teams vor Ort im Irak, wo es täglich Bomben zu entschärfen gilt, damit diese bei ihrer Detonation nicht Hunderte Unschuldige in den Tod reißen.
Und doch zeichnet Kathryn Bigelow ihre Protagonisten nicht als Helden. Selbst Jeremy Renner in der Rolle des neuen Bombenspezialisten Sergeant William James wird keineswegs heroisiert. Zwar gibt es eine Szene, in der er seine unglaubliche bisherige Vita enthüllt, doch nur unfreiwillig und ohne dabei ins Prahlen zu geraten. Für ihn ist der Krieg bzw. sein Einsatz an Kriegsschauplätzen wie eine Droge, was auch ein Zitat von Pulitzer-Preisträger Chris Hedges zu Beginn des Films unterstreicht. James bleibt über weite Strecken des Films unnahbar und undurchsichtig, seine Kamikaze-Aktionen wenig nachvollziehbar. Aber Bigelow nimmt sich die Zeit, diesen vielschichtigen Charakter mehr und mehr zu entblättern und die Empathie des Zuschauers dabei geschickt zu steuern. Einen stringenten Handlungsfaden sucht man in „Tödliches Kommando“ zwar vergebens, denn es geht Bigelow eher um die Abbildung des nervenaufreibenden Alltags dieser Spezialtruppe. Dabei kommt es zwangsläufig auch zu Wiederholungen, die dem Film während der Halbzeit ein paar Längen bescheren. Aber die meisten ihrer Episoden sind der Regisseurin wieder einmal auf meisterhafte Weise gelungen. Aufgrund der Unmittelbarkeit ihrer Inszenierung wird man bei den Entschärfungsszenen regelrecht in den Sitz genagelt, so manche der Einstellungen dürften wahrlich nichts für Zartbesaitete sein. Autor Mark Boal, der auch schon für das sensationelle Drehbuch der Heimkehrerstory „Im Tal von Elah“ verantwortlich zeichnete, weiß nur allzu gut, von was er hier berichtet, da er lange Zeit als Journalist in Krisenregionen stationiert war. Es ist sein Verdienst, dass auch die Iraker nicht als simples Feindbild gezeichnet, sondern differenziert dargestellt werden.
(Frank Brenner)

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