
Rose
Österreich, Deutschland 2026, Laufzeit: 94 Min., FSK 12
Regie: Markus Schleinzer
Darsteller: Sandra Hüller, Caro Braun, Marisa Growaldt
Eindringliches Zeitgemälde
Falsche Identität
„Rose“ von Markus Schleinzer
Es ist nicht das Schlechteste, wenn man sich bei einem neuen Film an andere erinnert fühlt, insbesondere dann, wenn die Vorgänger einen positiven Eindruck bei einem hinterlassen haben. „Rose“ von Markus Schleinzer ist ein solcher Fall, denn als er seine Weltpremiere im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale feierte, zogen etliche Kolleg:innen Vergleiche mit dem 2024 an selber Stelle gelaufenen „Des Teufels Bad“. Beide Filme sind zumindest in einer archaischen, von harter körperlicher Arbeit geprägten Zeit verortet, als die Menschen intellektuell noch einfacher gestrickt waren und der Religion ein höherer Stellenwert zukam. Aber nicht nur „Des Teufels Bad“ kommt einem bei „Rose“ in den Sinn, sondern auch der grandiose „Albert Nobbs“, ein Stoff, den Glenn Close zunächst auf der Bühne spielte und dann mit großem Eigenengagement auch auf die Leinwand brachte. Im Mittelpunkt dieser Geschichte steht eine Frau, die sich in der Öffentlichkeit als Mann ausgibt, um mit einer anderen Frau zusammen sein zu können. „Rose“ hat zahlreiche Elemente beider Filme und ist dennoch eigenständig genug, um ganz andere Aspekte des Lebens zu thematisieren.
17. Jahrhundert: Nach dem ersten großen Krieg, in dem ein junger Mann gedient und schwer verwundet wurde, kehrt er in ein Dorf zurück, um sein Erbe eines Bauernhofes anzutreten. Er hat entsprechende Papiere, so dass ihm die anderen Dorfbewohner vertrauen, auch wenn sie ihm ein wenig skeptisch gegenüber sind. Dass der Mann in Wirklichkeit die Frau Rose (genial: Sandra Hüller) ist, bleibt ein gut gehütetes Geheimnis. Doch als der Fremde durch sein zupackendes Wesen und seine Furchtlosigkeit im Ansehen der anderen steigt, wird ihm von einem Großbauern (Godehard Giese) die Hochzeit mit dessen Tochter Suzanna (Caro Braun) ans Herz gelegt. Muss Rose nun befürchten, dass ihre Maskerade aufzufliegen droht?
Markus Schleinzer („Michael“, „Angelo“) hat „Rose“ von Gerald Kerkletz in ästhetischen Schwarz-Weiß-Bildern einfangen lassen, in denen der Entbehrungsreichtum jener Zeit gleichwohl auf überzeugende Weise dargestellt werden konnte. In zahlreichen Sequenzen wird das harte körperliche Leben dieser Epoche auf naturalistische Weise greifbar gemacht. Zwischendurch gibt es immer wieder emotional aufgeladene Szenen, in denen der Alltag zwischen den Protagonistinnen eingefangen wird. Grundlage für „Rose“ waren etliche verbürgte Vorkommnisse aus der Vergangenheit, die der Regisseur auf wirkungsvolle Weise in einer exemplarischen Geschichte verdichtete. Sandra Hüller dominiert in jeder Einstellung diesen faszinierenden und spannenden Film, kann auch als burschikose und zupackende Figur uneingeschränkt überzeugen. „Rose“ thematisiert dann auch auf fast beiläufige Weise soziale Gegebenheiten der Zeit, die das Verhalten von Menschen wie Rose erklären und auch in unserer Gegenwart noch nichts von ihrer Dringlichkeit und Wichtigkeit eingebüßt haben.
Berlinale 2026, Silberner Bär: Sandra Hüller
Lesen Sie das Interview mit Caro Braun hier
(Frank Brenner)

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