
Ready Player One
USA 2018, Laufzeit: 140 Min., FSK 12
Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Tye Sheridan, Olivia Cooke, Ben Mendelsohn
Genialer Sci-Fi-Streich
Pophistory Repeating
„Ready Player One“ von Steven Spielberg
Wir schreiben das Jahr 2045, und die Erde ist sichtbar gezeichnet von der fossilen Ausbeutung durch Menschenhand. So haust auch der Großteil der amerikanischen Bevölkerung in maroden mehrstöckigen Container-Türmen. Doch alle Menschen sind multimedial vernetzt, und damit gibt es für sie doch noch ein Quantum Trost: Der Ausflug nach Oasis, eine virtuelle Welt, in der alles möglich ist. Hier wird gespielt, gechattet und um reales Geld gebattelt, was das Zeug hält. Und so ist vielen unglücklichen Menschen Oasis schon längst die neue Heimat und realer als die Realität. Vor allem, seitdem der Schöpfer James Halliday (Mark Rylance) gestorben ist und in seinem Universum drei Schlüssel versteckt hat, die zu einem Easteregg führen. Dem Finder verspricht Halliday posthum Reichtum und die Herrschaft über sein Reich. Die Suche läuft bereits seit fünf Jahren, und auch der siebzehnjährige Waise Wade (Tye Sheridan) will endlich den ersten Schlüssel finden. Doch zum Sieg muss man nicht bloß fleißig Spiel-Skills trainieren, sondern auch die Popkultur der 1980er Jahre studieren.
Man hätte aus der Romanvorlage von Ernest Cline auch eine gesellschaftskritische Film-Dystopie mit philosophischen Akzenten machen können. Aber zum Glück übernimmt Steven Spielberg Regie und zieht das Ding im Sinne der Vorlage durch: Mit Spaß, fulminanter virtueller Action und Stakkati-Querverweisen auf die 80er bastelt er ein Sci-Fi-Abenteuer, in dem sich die Kinder der Generationen X und Y gleichermaßen zuhause fühlen dürfen. Kleine Logikschwächen sind in derlei filmischen Gefilden ja üblich, wirklich bemängeln darf man, dass das trickfilmtechnisch atemberaubendste Material bereits in der ersten halben Stunde verheizt wird. Aber Spielberg hält natürlich die Spannung mit Timing, Twists und Tempo, und das in knackigem 3D. Außerdem spielt Ben Mendelsohn („Lost River“, „Slow West“, „Rogue One“) den Badie, einen machtbesessenen Konzernchef, der von sich sagt, er habe die Eier für sowas (Macht), dem aber die Kompetenz für alles andere (die 80er, Technik) fehlt und der damit immer wieder ziemlich dusselig dreinschaut.
Das Jahr 2045, in dem man sich komplett in die Virtualität flüchtet; in dem sich relevantes Wissens nur noch auf das Knowhow über Popkultur beschränkt: Spielberg liefert Popcornkino, das einen ständig weiter denken lassen will, einem dazu aber keine Gelegenheit lässt. Einziger weiterführender und recht hartnäckiger Ansatz ist das Bemühen, uns zu vermitteln, dass das Leben in der realen Welt ungleich wertvoller und nicht zu vergleichen ist mit der virtuellen Welt. Gleichzeitig lebt die Handlung anderes vor: Erst durch exzessives Computerspielen begegnet der Protagonist seiner ersten realen Liebe, und nur aufgrund seiner aus exzessivem Computerspielen geschulten Erfahrung kann er die reale Welt retten. Doppelmoral! Vielleicht hätte man auf das bemühte Geradebiegen einfach mal verzichtet – aber dann gehen natürlich die Helikopter-Eltern auf die Straße. Also ist „Ready Player One“ ein pädagogisch schwammiger bis fragwürdiger Film, der mit Nachdruck pädagogisch wertvoll sein möchte. Ob das die Kids der 80er, 90er und 2000er verstehen müssen, ist fraglich. Ob es sie interessiert, steht fest: eher nicht. Denn sie wollen und werden hier vor allem eines haben: Spaß. Und eine trefflich erfüllte Auszeit von der realen Welt. Und vom ständigen Gamen.
(Hartmut Ernst)

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