
Prometheus - Dunkle Zeichen
USA 2012, Laufzeit: 124 Min., FSK 16
Regie: Ridley Scott
Darsteller: Noomi Rapace, Michael Fassbender, Guy Pearce, Idris Elba, Logan Marshall-Green, Charlize Theron, Rafe Spall, Sean Harris
>> www.prometheus-derfilm.de
Mitreißendes Weltraumabenteuer
Schöpfer
„Prometheus“ von Ridley Scott
Der Mensch ist immer noch gefährlich neugierig, das Machtstreben mächtiger Konzerne siegt noch immer über jegliche Moral, und im Weltall hört dich noch immer niemand schreien. Auch über 30 Jahre nach „Alien“, dem Weltraumthriller aus dem Jahr 1979 von Ridley Scott. Der gab das Regiezepter bei den drei Fortsetzungen ab, zuletzt begegneten sich Ripley und die Monster-Sippe 1997. Doch jetzt ist Scott zurück, wagt zum ersten Mal seit „Blade Runner“ wieder einen cineastischen Blick in die Zukunft, mischt wieder mit in der Science Fiction. „Prometheus“ ist ein Prequel, eine Geschichte, die zeitlich vor „Alien“ spielt – zugleich aber noch in unserer Zukunft.
Prequels sind momentan offensichtlich besonders interessant im Science Fiction-Genre. George Lucas vollzog dies erstmals im großen Rahmen mit „Star Wars“, J.J. Abrams verschaffte 2008 dann dem „Star Trek“-Universum einen Neustart. Und das ungleich origineller: Abrams‘ Zeitreise zurück änderte komplett die Ausgangssituation, so dass sämtliche bisherigen Abenteuer aus dem „Star Trek“-Universums hinfällig wurden. „Star Trek“ wird, angefangen bei Captain Kirk, seit J.J. Abrams komplett neu erzählt.
Jetzt also gesellt sich Ridley Scott hinzu, der vergleichbar originell seinen „Alien“ fortsetzt. Auch „Prometheus“ ist mehr als eine weitere Fortsetzung, die lediglich dem Kern des Originals, einem stilvoll schaurigen, doch letztlich profanen Katz- und Mausspiel, folgt. Nein, abgesehen davon bereichert Scott die Reihe gleich um eine ganze Metaebene: Von nun an fokussiert sich das Abenteuer auf die Erforschung des Ursprungs der Menschheit.
„Prometheus“ ist im Jahr 2089 und damit etwa 30 Jahre früher angelegt als das Original: Archäologin Shaw (Noomi Rapace) reist durchs All, um auf die Schöpfer der Menschheit zu stoßen – und auf die Brut, die eines Tages der Besatzung der Nostromo die Hölle heiß machen wird. Mit an Bord: Ehrenhafte Forscher, Egoisten und ein Android namens David, den Michael Fassbender schlicht grandios verkörpert: Ein humanoider Roboter, seinem Programmierer loyal ergeben, frei von moralischem Gewissen, grausam und dabei immer höflich. Während Ellen Louise Ripley daheim auf der Erde vermutlich gerade im Kinderzimmer mit Puppen spielt, ist es diesmal an Shaw, das Schicksal mit Willenskraft, Moral und Gerechtigkeitssinn auf Überleben zu biegen. Nachdem Noomi Rapace bereits auf Erden eindrücklich bewiesen hat, wie man der Männerwelt tatkräftig vor den Bug fahren kann („Millenium Trilogie“), darf sie sich jetzt im Weltraum gegen Mann und Monster behaupten.
Großartige Besetzung, toller Look, beseelter Tiefgang: Ridley Scott übertrifft sich auf seine alten Tage noch einmal selbst. Ein sinnlicher, aufregender, beängstigender Trip durchs All, Science Fiction in betörendem 3D. Stylish neu designed, das Original liebevoll zitiert und mehr als nur kopiert. Eine würdige, zeitgemäße Fortführung. Eine filmische Offenbarung, die zugleich einer weiteren Fortsetzung entgegen fiebern lässt.
(Hartmut Ernst)

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