
Late Bloomers
Frankreich, Großbritannien, Belgien 2010, Laufzeit: 90 Min., FSK 0
Regie: Julie Gavras
Darsteller: Isabella Rossellini, William Hurt, Doreen Mantle, Kate Ashfield, Aidan McArdle, Arta Dobroshi, Luke Treadaway
Lakonischer Blick aufs Alter
Genervt vom Altern
„Late Bloomers“ von Julie Gavras
Eines Tages ist es plötzlich so weit: Mary ist alt! Woran sie das merkt? Es ist eine Feier zu Ehren ihres Mannes Adam, eines angesehenen Architekten, bei dem jenem die Gedächtnislücken seiner Frau auffallen. Die folgenden Arztbesuche führen zwar zu keinem Ergebnis, aber Mary ist sich sicher: Ein neuer Lebensabschnitt hat begonnen. Und sie ist sich auch sicher, dass das für Adam gilt. Die Auszeichnung, die er bei der Feier erhalten habe, sei schon so eine Art Grabesrede gewesen, sagt sie sehr zum Ärger ihres Mannes, der sich eigentlich noch gar nicht so alt fühlt. Mary versucht, das Thema Alter pragmatisch anzugehen und bestellt ein Telefon mit großen Tasten, Badewannengriffe und ein Bett mit Aufstehhilfe. Adam hingegen fühlt sich gar nicht alt und ist sichtlich genervt davon, ist er in seinem Büro doch stets von jungen Leuten umgeben, die ihn bewundern. Im Gegenteil: Mit Sweatshirt und Lederjacke lenkt er gegen. Die drei erwachsenen Kinder betrachten die kriselnde Beziehung der Eltern mit hilfloser Miene.
In den letzten Jahren gab es zahlreiche Filme über alte Menschen und das Altern. Kein Wunder, denn das Durchschnittsalter des Kinopublikums steigt in den letzten Jahren immer mehr, und für die bislang ungewohnte, aber finanziell gut situierte Klientel muss es natürlich auch das richtige Programm geben. Da gibt es Komödien wie „Kalender Girls“, die lustigen Aktionismus im Spätherbst des Lebens preisen. Und es gibt Dramen wie Andreas Dresens „Wolke 9“, die das ganz Selbstverständliche auch für die Alten einfordern. Und es gibt tiefgründige, realistische Beobachtungen wie Michael Hanekes „Liebe“, unseren aktuellen Film des Monats. „Late Bloomers“ reiht sich weder in die Konjunktur der Rüstige-Rentner-Komödien, noch in die realistischen Altersdramen ein, sondern geht einen zunächst irritierenden Mittelweg, der aber nicht in die Nichts-Ganzes-und-nichts-Halbes-Falle tappt. Der Film vermag mit seiner ganz undramatischen, beiläufigen Art, mit trockenem Humor und spröder, aber sympathischer Inszenierung zu begeistern. Die beiden Hauptdarsteller Isabella Rossellini und William Hurt haben daran einen großen Anteil. Rossellini spielt mit überraschender Komik die Beleidigte: Wenn sie bei der Wassergymnastik – umgeben von jungen, gut trainierten Frauenkörpern – aus dem Rhythmus kommt und sich selbst die Schwimmnudel ins Gesicht schlägt, guckt sie arrogant-genervt. Wenn ihr ein junger Mann im Bus seinen Platz anbietet, dreht sie sich empört weg, als wäre das eine Frechheit. Adam wiederum wird von den Offerten einer jungen Mitarbeiterin vollkommen verunsichert und gesteht sich nicht ein, von seinem längst erwachsenen Sohn Hilfe annehmen zu müssen. Und so eiern die beiden durch die Veränderungen ihrer Lebenssituation, verlieren sich gar aus den Augen und müssen letztendlich ihren ganz eigenen, aber unspektakulären Weg finden, sich mit dem Alter abzufinden und das Beste daraus zu machen.

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