Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 1

12.642 Beiträge zu
3.862 Filmen im Forum

Taryn Simon, Troy Webb, Tatort, Er verbüßte 7 Jahre einer 47-jährige Haftstrafe wegen Vergewaltigung, Entführung und Raubes. 2002, © T. Simon

Dem Unrecht auf der Spur

30. Januar 2014

Taryn Simon im Museum Folkwang – RuhrKunst 02/14

Die US-Amerikanerin Taryn Simon (geb. 1975) gehört zu den „Rising Stars“ der internationalen Kunstszene. Fast kometenhaft hat sie vor einigen Jahren Einzug in die erste Liga der Ausstellungshäuser weltweit gehalten. Einen guten Einblick in ihr Werk, das sich mit den Mitteln der Fotografie und der Rauminstallation zwischen Konzept, Spurensuche und Dokumentation verhält, liefert das Museum Folkwang in Essen. Entgegen ihrer Praxis, lediglich einen Werkkomplex als Ganzes auszustellen, sind hier Auszüge aus drei Werkgruppen zu sehen.

Möglich ist dies, da die Exponate aus der Essener Sammlung von Thomas Olbricht stammen. Taryn Simon inszeniert ihre Fotografien, mit denen sie sich dezidiert von einer reinen Dokumentation abgrenzt, mittels typografischer Lösungen der Wandtexte und der teils ausführlichen Bildtitel. Ihre Sachen sind – in allen ihren Werkgruppen – die „unangenehmen“, verdrängten oder verheimlichten Themen unserer Zivilisation, die sie vor allem in den Vereinigten Staaten aufgespürt hat. So hat sie mit der Großbildkamera all die unmöglichen, gefährlichen Dinge fotografiert, die der Zoll am New Yorker Flughafen sicher gestellt hat. Oder sie hat die Kartons fotografiert in denen die Beweisstücke von Vergewaltigungen aufgehoben, aber nicht ausgewertet werden, weil dazu die Ressourcen fehlen. Oder sie ist dem Weg des Sondermülls in Krankenhäusern nachgegangen.

Bei der zweiten Werkgruppe gibt sie u.a. den Opfern des Massakers von Srebrenica ein Gesicht, verfolgt den Stammbaum von einem der Nazigrößen der NS-Diktatur und kombiniert die Fotos in Schautafeln mit Archivalien. Die dritte vorgestellte Werkgruppe widmet sich zu Unrecht verurteilten Personen, die auf Fotografien – vermeintlich – identifiziert wurden. Sie demonstriert damit die Beeinflussbarkeit durch die Fotografie, die plötzlich gar nicht mehr so dokumentarisch ist. Taryn Simons Qualität liegt darin, daraus hervorragend dichte, eindringliche Fotografien zu inszenieren und uns nachdenklich, zweifelnd zurückzulassen.

„Taryn Simon – There Are Some Who Are In Darkness“| bis 2.März | im Museum Folkwang Essen | www.museum-folkwang.de

THOMAS HIRSCH

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Neue Kinofilme

G.O.A.T. – Bock auf große Sprünge

Lesen Sie dazu auch:

Fotografie in bewegten Zeiten
Germaine Krull im Museum Folkwang in Essen – kunst & gut 02/26

Mit anderen Augen
„L is for Look“ im Museum Folkwang Essen

„Konventionen über Bord werfen“
Co-Kuratorin Kerstin Meincke über „Germaine Krull: Chien Fou“ im Essener Museum Folkwang – Sammlung 12/25

Wahre Geschichten
William Kentridge im Museum Folkwang Essen – kunst & gut 10/25

„Er fragt auch nach den Bezügen zu Europa“
Kurator Tobias Burg über „William Kentridge. Listen to the Echo“ im Essener Museum Folkwang – Sammlung 08/25

Geschichten einer Leidenschaft
Oskar Kokoschka mit den Porträts von Alma Mahler in Essen – kunst & gut 05/25

Auf Augenhöhe
Deffarge & Troeller im Essener Museum Folkwang – Ruhrkunst 01/25

Hin und weg!
„Ferne Länder, ferne Zeiten“ im Essener Museum Folkwang – Ruhrkunst 05/24

Keine Illusionen
Wolf D. Harhammer im Museum Folkwang in Essen – kunst & gut 03/24

„Wir sind stolz darauf, diese Werke im Bestand zu haben“
Kuratorin Nadine Engel über die Ausstellung zu Willi Baumeister im Essener Museum Folkwang – Sammlung 02/24

Visionen von Gemeinschaft
„Wir ist Zukunft“ im Essener Museum Folkwang – Ruhrkunst 01/24

Aufbruch und Experiment in Paris
Meisterwerke der Druckgraphik im Museum Folkwang in Essen – kunst & gut 10/23

RuhrKunst.