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Die Podiumsdiskussion zum Thema Datenschutz und Überwachung
Foto: Rika Talsinn

Was passiert mit unseren Daten?

21. November 2014

CITIZENFOUR über Edward Snowden im Dortmunder U – Foyer 11/14

2013 veröffentlichten die Journalisten Laura Poitras, Glenn Greenwald und Ewen MacAskill bis dahin streng geheime Informationen über die Datensammlung und Überwachung der Bevölkerung durch die National Security Agency. Empörung brach aus und entfachte eine Debatte, die bis heute andauert und weiter andauern wird.

Die Person, die die entscheidenden Informationen lieferte, war Edward Joseph Snowden.

CITIZENFOUR, ein Dokumentarfilm von Laura Poitras, der die Treffen der Reporterin mit Edward Snowden, die Erstveröffentlichungen und die direkten Folgen zeigt, läuft noch bis zum 21. November im Kino im U in Dortmund. Eine Dokumentation, die wie ein actiongeladener Agentenfilm daherkommt, jedoch die Realität zeigt. Der Whistleblower Snowden und seine Enthüllungen über die NSA erschütterten nicht nur die US-amerikanische Gesellschaft, sondern erreichten alle Bürger und sorgten für Unsicherheit auf der ganzen Welt. Seitdem kursieren Fragen der Privatsphäre und Meinungsfreiheit. In einer Podiumsdiskussion des Medienwerks NRW versuchten Prof. Dr. Astrid Deuber-Mankowsky von der Ruhr Universität Bochum, Kuratorin Inke Arns und Netzaktivist Stefan Urbach, Antworten auf einige Fragen zu finden.

Inke Arns, Foto: Rika Talsinn

Was hat Edward Snowden veröffentlicht?

Edward Snowden, der als Systemadministrator der NSA Zugang zu allen internen Informationen hatte, legte offen, dass die National Security Agency entgegen ihrer Behauptung wissentlich und vorsätzlich Daten amerikanischer Bürger sammelt und systematisch die Gesellschaft überwacht. Später stellte sich heraus, dass international die Daten von Menschen gesammelt und gespeichert werden. Wie Snowden offenbarte, überwacht die NSA nicht nur einzelne, verdächtige Personen, sondern die gesamte Bevölkerung, indem ungefiltert alle erhältlichen Daten gesammelt werden. Prof. Deuber-Mankowsky erklärte, dass die Datensammlung selbst nichts Neues sei; jedoch werden Daten nicht mehr wie angenommen nur zu Forschungszwecken genutzt, sondern auch für ökonomische Zwecke verwendet. Unsere Daten schaffen also Geschäftsideen für die Wirtschaft. Stefan Urbach betonte, Überwachung sei immer ein Thema gewesen; durch die Snowden-Affäre wurde sie uns lediglich wieder ins Bewusstsein gerufen. Die Überwachung durch die Geheimdienste schaffe eine Grenze zwischen Staat und Bürgern und „soll Schwache schwach halten.“

Warum teilen wir unsere Daten?

„Wir teilen uns gern mit“, versuchte Inke Arns diese Frage zu beantworten. Unabhängig davon sei es uns allerdings schlicht unmöglich, keine Daten zu teilen, wie Prof. Deuber-Mankowsky klarmachte. Dadurch, dass wir uns bewegen, hinterlassen wir Spuren – Daten. Auf einen bequemen Lebensstandard mit EC-Kartenzahlung und Smartphones folgt das Kreieren von Daten, und am Beispiel der Krankenkassenkarte wird deutlich, dass wir uns dem Teilen unserer Daten häufig gar nicht entziehen können. Laut Stefan Urbach ist nicht Datenschutz das, was uns am wichtigsten sein sollte, sondern Datennutzung. Wer bekommt unsere Daten, und was darf er damit machen?

Was können wir tun?

Stefan Urbachs ironischer Lösungsansatz lautet: „alles niederbrennen“. Denn wenn wir nicht wollen, dass unsere Daten an Dritte gehen, müssen wir aufhören, Daten zu schaffen – „also in ein Haus im Wald ziehen und mit niemandem mehr reden“, fügt Urbach hinzu. Das könne es aber auch nicht sein. Ein Großteil unserer Daten wird zu Werbezwecken genutzt. Anbieter wie Facebook können durch die Auswertung der Nutzerdaten Zielgruppen ausarbeiten und eine höhere Trefferquote für Werbeschaltungen erzielen. Dienste wie Facebook finanzieren sich durch Werbung – würden wir einen Mitgliedsbeitrag für diese Dienste zahlen, hätten sie das nicht nötig, so Urbach. Dass dieses Modell bei der breiten Masse nicht auf Zustimmung stoßen würde, steht außer Frage. Und selbst durch solche Mitgliedsbeiträge könnten wir nicht sicher wissen, was mit unseren Daten passiert. Die Frage, was wir tun können, ist also schwierig zu beantworten. Was wir nicht tun dürfen, scheint aber eindeutig zu sein: die Entscheidung über die Nutzung unserer Daten anderen überlassen.

In der Schlusssequenz des Films treffen Laura Poitras und Glenn Greenwald Snowden wieder. Er hat ein Jahr Asylrecht in Russland und lebt dort mit seiner langjährigen Freundin Lindsay Mills. Selbst veröffentlicht er nichts mehr; dafür tauchen nun weitere Whistleblower überall auf der Welt auf. Es ist das „Hydra-Prinzip“, wie er es vor seiner Flucht erklärt hat: „Wenn sie einen von uns niederstampfen, tauchen sieben andere auf.“

CITIZENFOUR - Gespräch und Film | Sa 22.11. 17:30 Uhr | Kino im U, Dortmunder U

Rika Talsinn

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