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Auf Tour: die Giant Rooks
Foto: Lydia Trappenberg

Absichtlich schön

25. Januar 2018

Giant Rooks: aus Hamm in den Indie-Pop-Olymp – Popkultur in NRW 02/18

Wahre Kunst ist, wenn es leicht aussieht, auch wenn es schwer ist. Die Musik der Durchstarter-Band Giant Rooks hat eine träumerische Leichtigkeit. Alles, was man dazu benötigt, ist ein Fenster, durch das man stundenlang auf eine nebelverhangene Landschaft starren kann, und jemanden, an den man dabei sehnsüchtig denkt. Ein kleiner Schock ist es allerdings, in ein Musikvideo der fünf Jungs aus Hamm reinzuschauen: Der Sänger Frederik Rabe, dessen Stimme unzählige durchgemachte Whiskynächte heraufbeschwört, sieht um Jahrzehnte jünger aus als seine eigenen Schuhe. Giant Rooks eignen sich perfekt, um alle Nachwuchsmusiker-Klischees durchzunudeln: Ja, mit ihren circa 20 Jahren sind sie verdammt jung dafür, wie gut sie sind. Ja, sie haben vor zwei Jahren den vom NRW Kultursekretariat gestifteten popNRW-Preis in der Kategorie Newcomer gewonnen und danach einen Blitzstart hingelegt. Ja, sie sollten sich eigentlich inzwischen daran gewöhnt haben, dass ihre Auftritte Monate vorher ausverkauft sind, freuen sich aber immer noch wie Bolle darüber. Ja, sie haben für Kraftclub im Vorprogramm gespielt und sind trotzdem keine Millionäre. Ja, ihre Musik läuft im Radio, aber sie fühlen sich trotzdem nicht wie Popstars, und so weiter und so fort.

Kein Text über Giant Rooks, der sie nicht mit den amerikanischen Indie-Folk-Helden alt-J vergleicht, aber wo alt-J über Haie singen, geht's bei den Giant Rooks um Delfine. Abgeklärt wollen sie nicht sein, auch wenn ihre Musik souverän und international kompatibel rüberkommt. Finn Schwieters (Gitarre), Luca Göttner (Bass), Finn Thomas (Schlagzeug), Jonathan Wischniowski (Piano, Synthesizer) und Frederik Rabe (Gesang, Gitarre, Percussions, Synthesizer) sind auf der Suche nach Schönheit, und selbst wenn das kitschig klingen mag, wirkt die Musik keine einzige Sekunde lang peinlich. In ihrem musikalischen Koordinatensystem zwischen Arcade Fire, James Blake und einem Schuss Element of Crime kommt die große Melancholie so bescheiden, sogar lapidar um die Ecke, dass sie unumstößlich wird. Und so kann die Band sich auch selbst das Etikett Art-Pop aufkleben – was nichts mit Lady Gagas Kunstkannibalismus gemein hat, sondern ein Bekenntnis zum Pop als Basis für künstlerische Soundexperimente sein soll.

Ihre letzte Tournee, Anfang 2017, war restlos ausverkauft. Die schnell hinterher geschobenen 2018er Gigs stehen unter dem Titel „For the Days to Come“. Auch wenn die Giant Rooks jetzt gerade perfekt in die Indiepop-Hitmühle passen, wenn ihre orchestral-behäbigen Arrangements und die retroangehauchten Songstrukturen den Zuhörer derzeit wunderbar triggern – für die days to come, die zukünftigen Tage, darf man sich ruhig etwas mehr Art im Pop und etwas weniger Artigkeit wünschen. Das handwerkliche Fundament ist da, die immense Lust auf das Spielen vor Publikum und eine große innere Ruhe – man darf gespannt sein, wie hoch die „gigantischen Türme“ über die pop-typische Variation des Immergleichen noch hinauswachsen werden.

So 18.2. 20 Uhr im Forum, Bielefeld & Di 20.2. 20 Uhr in der Zeche Carl, Essen

Melanie Redlberger

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