trailer: Herr Oppers, wie geht es der NRZ?
Rüdiger Oppers: Nicht schlecht. Wir haben mit unserem Geschäftsmodell Zeitung in NRW noch immer Erfolg, auch wenn wir die wirtschaftliche Krise natürlich zu spüren bekamen. Mit allen vier Tageszeitungen der WAZ Mediengruppe sind wir im lokalen Marktplatz so präsent wie sonst kein anderes publizistisches Unternehmen in NRW.
Die WAZ Mediengruppe hat in der Vergangenheit aber Lokalredaktionen geschlossen.
Von über hundert Standorten mussten wir im Zuge dieser dringenden wirtschaftlichen Anpassung drei verlassen. Wenn wir Journalisten davon berichten, dass Thyssen-Krupp Standorte schließt, dass Banken Filialen schließen, dann können wir nicht davon ausgehen, dass wir von der wirtschaftlichen Entwicklung ausgenommen sind, nur weil wir darüber berichten. Lokalberichterstattung ist und bleibt aber unser Kerngeschäft. Ich verkaufe die NRZ ja nicht wegen meines lichtvollen Leitartikels, sondern wegen der Berichterstattung aus Moers, Emmerich, Kleve oder Mülheim.
In Frankfurt trägt man inzwischen einen Berliner Mantel. Blüht uns eine Pressekonzentration durch die Entwicklung von der klassischen Redaktion hin zum Newsdesk?
Innerhalb der WAZ Mediengruppe profitieren wir von diesem Synergieeffekt. Ich habe jetzt nicht nur einen Korrespondenten in Berlin, sondern ein Büro mit bis zu fünf Korrespondenten. Mantelteile anderer Tageszeitungen bestehen fast ausschließlich aus Agenturmeldungen. Wir setzen auf unsere Autoren, die bei unseren Lesern auch oft namentlich bekannt sind.

Hat das Papier ausgedient?
Nein, die Tageszeitung aus Papier wird es noch lange geben. Die New York Times prägte hierzu den passenden Spruch: Solange es einen Frühstückstisch, eine S-Bahn und einen Bus gibt, wird es auch eine Tageszeitung geben.
Aber die Entwicklung in Ihrem Verlagshaus geht doch in Richtung digitale Medien.
Digitale Medien ergänzen unser Angebot. Sie sind aber noch nicht das alleinige Geschäftsmodell der Zukunft. Im Web können wir nicht die Anzeigenpreise aufrufen, die wir auf Papier erreichen. Natürlich entwickeln wir unser digitales Angebot weiter. In ganz naher Zukunft werden wir unsere vier NRW-Zeitungen als iPad-App anbieten.
Ihr Internetangebot „Der Westen“ schreibt also nicht nur rote Buchstaben?
Bezüglich der Abrufraten schreibt „Der Westen“ tiefschwarze Zahlen und ist eines der erfolgreichsten regionalen Informationsportale Deutschlands. Wir versuchen, unsere Inhalte möglichst vielen Lesern zugänglich zu machen.
Was wünschen Sie sich von der Medienpolitik?
Mehr Wertschätzung. Unser größter Konkurrent im Bereich Internet sind die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Die machen wie wir inhaltlich sehr gute Internetangebote, müssen die Kosten dafür aber nicht am Markt erwirtschaften.
Die WAZ kooperiert aber im Netz auch mit WDR und ZDF.
Wenn wir uns medienpolitisch mit Finanzierungsfragen beschäftigen, heißt das ja nicht, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk der Gegner der Zeitungsverlage ist, sondern er kann auch ein Partner sein. Rundfunk und Zeitung sind in diesem Land wichtige Kulturträger. Gemeinsam sind wir Partner gegen Billiganbieter wie Google, die den Markt von der anderen Seite angreifen.
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